Zehn Grün­de, an denen Fin­techs schei­tern

Jungunternehmer in der Finanzwelt müssen bei der Entwicklung ihres Geschäftsmodells viele Aspekte bedenken. Bild: © Jacob Lund / stock.adobe.com

Fintechs feiern aktuell große Erfolge. Doch auch hier gibt es viele Stolpersteine, die zum Scheitern führen können.

Fintechs werden immer beliebter – nicht nur bei Firmen, die darin eine attraktive Alternative zur klassischen Bank sehen, sondern auch bei Investoren, die zunehmend Risikokapital in die neuen Finanf-Start-ups stecken. Gleichzeitig sind die jungen Finanzunternehmen freilich nicht vor Fehlschlägen und der Gefahr des Scheiterns gefeit. Pascal Bouvier, Venture Partner bei der spanischen Großbank Santander, ist ein alter Hase im Bankengeschäft und hat die Branche genau beobachtet. Für CB Insights hat er darum eine Liste mit zehn Gründen zusammengestellt, warum Fintechs scheitern. Unternehmer dürfen diese als hilfreiche Tipps verstehen, was es zu beachten gilt:

1. Lizenzen und Bewilligungen

Weil sich viele Fintechs selbst eher als Tech-Start-up sehen, das sich auf das Programmieren von Software und Algorithmen fokussiert, wird häufig vergessen, dass es auch Lizenzen braucht – nämlich genau dann, wenn diese Software auch beim Endkunden zur Anwendung kommen soll. Viele Jungunternehmer vergessen, dass der Finanzsektor eine stark regulierte Branche ist. Wer die Regeln nicht kennt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht – und verliert später viel Zeit und Geld, um Fehler und Versäumnisse wieder auszubügeln,

2. Investments einzuholen, bedeutet Aufwand

Ein Fintech, das Kapital von Banken oder Versicherungen einsammeln will, muss sich im Klaren darüber sein, dass es auch hier strenge Regeln gibt: Governance, Reporting, Informationsfluss, Lizenzen und Bewilligungen gehören zu jenen Punkten, die vorher genau abgeklärt werden müssen. Zudem gilt es zu beacjten, dass Investoren zum Teil eine sehr unterschiedliche Unternehmenskultur haben.

3. Compliance

Hält ein Fintech die Regeln nicht ein, so kann das schnell zum Todesurteil für das eigene Unternehmen werden. Wer am Markt bestehen will, sollte Compliance darum als wichtiges Thema erkennen und frühzeitig in entsprechendes Personal investieren.

4. Risikokapitalgeber mit Ahnung

Erfahrung ist in jeder Branche von großer Bedeutung – das gilt vor allem für die komplexe Finanzindustrie. Risikokapitalgeber, die Finanzerfahrung mit sich bringen, sind darum unglaublich wertvoll.

5. Ein Fintech ist kein gewöhnliches Start-up

Wer glaubt, dass er ein Fintech zum Erfolg führen kann, nur weil ihm das schon mal mit einem Start-up gelungen ist, der irrt gewaltig. Schließlich ist die Finanzwelt eine Welt des Geldes und die spielt nach ihren eigenen Regeln. Die Finanzbranche ist stark reguliert und eine Dreiecksbeziehung zwischen Kunden, Banken und Regulatoren, die oft unterschiedliche Interessen verfolgen. Wer Erfolg haben will, muss die Psychologie dieses Geflechts verstehen und sich darüber im Klaren sein, dass es weitaus schwieriger ist, ein Fintech aufzubauen als ein anderes digitales Start-up.

6. Günstiger allein reicht nicht

Häufig erleben Fintechs einen Boom, weil sie Kosten sparen – Robo-Advisor sind hier ein gutes Beispiel. Dennoch sollten Gründer nicht glauben, dass sie mit besserer Technologie und günstigeren Preisen auf der sicheren Seite sind. Dank ihres immensen Kundenstamms werden die etablierten Banken es auf lange Sicht schaffen, den Preiskrieg zu gewinnen. Wer sich am Markt behaupten will, braucht also ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal.

7. Ein Patent ist kein Patentrezept

Es klingt logisch: Wer eigene Technologie und Software entwickelt hat, will diese schützen lassen. Allerdings macht es meist leider keinen Sinn, ein Patent anzumelden – denn entweder gibt es etwas Ähnliches schon oder die Technologie kann mit ein paar Handgriffen optimiert werden. Merke: Geistiges Eigentum ist also keine Basis für ein Geschäftsmodell.

8. Der Payment-Bereich ist kein Kinderspiel

Auch wenn der Payment-Bereich die niedrigsten Eintrittshürden für Jungunternehmer hat, so ist es doch der Bereich, in dem es am schwierigsten ist, wirklich erfolgreich zu sein. Der Grund: Bei Bezahllösungen geht es nicht darum, Produkte an Kunden zu verkaufen, sondern es müssen Nutzer, Händler und Banken zugleich überzeugt werden.

9. Komplexe Gesetze

Nicht nur die Finanzwelt selbst ist unglaublich komplex, hinzu kommen die Vorschriften, die der Gesetzgeber macht: Kapitalmarktgesetze, Kreditmarktgesetze, Konsumentenschutz, Schutz der Privatsphäre und viele mehr. Wer einen Businessplan erstellt, sollte all das im Blick haben.

10. Ökonomisch denken

Jeder Unternehmer weiß, dass sich die Wirtschaftsentwicklung enormen Einfluss auf die das eigene Geschäft hat – und das gilt für Fintechs ganz besonders. Ein gutes Beispiel sind hier die Crowdlending-Plattformen: Viele Fintechs sind wegen des niedrigen Zinsumfeldes entstanden. Was geschieht jedoch, wenn die Zinsen wieder steigen? Ist das Geschäftsmodell auch dann noch konkurrenzfähig? All diese Szenarien zu bedenken, ist extrem wichtig.

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