Wo es in Sachen Digi­ta­li­sie­rung noch hapert

Bisher ungenutzte Potentiale der digitalen Transformation: Die Vernetzung mit den Privatkunden kommt noch immer zu kurz.

Während sich die Wirtschaft schon seit Jahrzehnten digitalisiert, ist die Vernetzung das neue Element, durch das sich die derzeit stattfindende digitale Transformation auszeichnet. Sie ermöglicht den Austausch von Informationen und Effizienzvorteile. Gleichzeitig lassen sich Geschäfts- und Privatkunden in die Wertschöpfung einbeziehen, was wichtige Impulse für Verbesserungen und Innovationen liefern kann. Genau dieser Punkt wird jedoch noch immer vernachlässigt, wie ein aktueller Monitoring-Report zeigt, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gemeinsam mit Kantar TNS im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erstellt hat.

Demnach ist nur etwa ein Drittel der Unternehmen mit seinen Privatkunden digital vernetzt – darunter vor allem kleine Unternehmen und Dienstleistungsunternehmen. „Sie können beispielsweise relativ günstige Social Media-Anwendungen für Marketingzwecke und für das Einholen von Kundenfeedback nutzen“, erklären die Studien-Autoren. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Informations- und Kommunikationstechnologien“, ist dennoch überrascht: „Vor dem Hintergrund, dass Untersuchungen für die Einbeziehung der Privatkunden als Impulsgeber in einem offenen Innovationsprozess sprechen, ist es verwunderlich, dass noch nicht mehr Unternehmen die Chancen der digitalen Vernetzung hierfür nutzen.“

Bessere Vernetzung im Geschäftsbereich

Deutlich weiter verbreitet ist hingegen die Vernetzung mit Geschäftskunden und Lieferanten. Insgesamt 61 Prozent der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sind mit ihren Geschäftskunden und 51 Prozent mit ihren Lieferanten digital vernetzt. In 46 Prozent der Unternehmen sind die Produktion oder Dienstleistungserstellung digital vernetzt. An erster Stelle liegt hierbei die IKT-Branche, in der drei Viertel der Unternehmen ihre Produktion oder Dienstleistungserstellung digital vernetzt haben. Danach folgen gleichauf mit jeweils 66 Prozent die Finanz- und Versicherungsbranche und die Wissensintensiven Dienstleister.

Zudem zeigt der Report: Jedes dritte Unternehmen nutzt „Smart Services“, jedes fünfte „Big Data“. Künstliche Intelligenz steht noch am Anfang. Um die Digitalisierung voranzutreiben, arbeiten 20 Prozent der Unternehmen mit Partnern aus der eigenen Branche zusammen, 15 Prozent auch branchenübergreifend. Nur etwa vier Prozent der Unternehmen kooperieren aus diesem Grund bislang mit Start-ups. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nahm die Ergebnisse zum Anlass für ein positives Resumee beim gestern zuende gegangenem Digital-Gipfel 2017: „Es freut mich, dass der Mittelstand als eine der tragenden Säulen unserer Wirtschaft die Chancen der Digitalisierung immer besser nutzt. Denn davon hängt ab, ob die deutsche Wirtschaft auch in Zukunft noch erfolgreich sein wird“, sagte sie.

Schlechtes Zeugnis für Konsumgüterindustrie

Ein deutlich schlechteres Zeugnis stellt eine aktuelle Roland-Berger-Studie der Konsumgüterindustrie aus, für die rund 100 Entscheidungsträger in deutschen Firmen befragt wurden. Demnach schöpft die Branche das Potenzial der neuen Technologien immer noch nicht aus. 83 Prozent der befragten Firmen sind sogar der Meinung, dass ihre eigenen Marketing- und Vertriebsstrategien nicht in der Lage sind, den Mitbewerbern Paroli zu bieten. Für die Konsumgüterindustrie ein dramatisches Ergebnis: „Die Branche leidet unter massiven Disruptionen durch Digitalisierung und steigende Konzentration im Handel“, erläutert Tobias Göbbel, Partner von Roland Berger. „Umso wichtiger ist es, jetzt die Chance zu nutzen und sowohl Marketing als auch Vertrieb für eine stärkere Kundenorientierung neu zu gestalten. Denn an diesen beiden Funktionen wird sich die Zukunft vieler Unternehmen in den kommenden Jahren entscheiden.“

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