Viel hilft nicht immer viel“

Im Zuge der Digitalisierung glauben viele Unternehmen, immer höhere Summen in Innovationen investieren zu müssen. Doch viel hilft nicht immer viel – vor allem, wenn es an einer kohärenten Strategie mangelt, weiß Dr. Klaus-Peter Gushurst, Leiter Industries & Innovation bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft pwc. Was Manager aktuell tun, um Innovationen voranzutreiben und was sie sich davon erhoffen, verrät der Experte im Interview mit return.

Herr Gushurst, in Zeiten der Digitalisierung ist der Bereich „Forschung und Entwicklung“ (F&E) in Unternehmen ein besonders wichtiger. Doch wie gut ist es darum wirklich bestellt?
Vielen großen Unternehmen fehlt bei ihren F&E-Investitionen eine klare Strategie. Das hat unsere „Innovation Benchmark“-Studie gezeigt, für die mehr als 1200 Manager weltweit befragt wurden. Mehr als die Hälfte von ihnen berichtete uns von Problemen, die eigenen Innovationspläne mit der übergeordneten Geschäftsstrategie in Einklang zu bringen. Bei den Unternehmen, die besonders viel für Forschung und Entwicklung ausgeben, lag der Wert sogar bei über 60 Prozent. Die wenigsten Unternehmen folgen einer kohärenten Strategie. Stattdessen glauben sie, im Zuge der Digitalisierung immer höhere Summen in Innovationen investieren zu müssen – fast so, als würde viel auch automatisch viel helfen.

Aber dem ist nicht so?
Es gibt erwiesenermaßen keinen statistischen Zusammenhang zwischen Innovationsausgaben und Rendite. Entscheidend ist nicht, wie viel Geld investiert wird, sondern wie es investiert wird. Und da sind die Zeiten, in denen Unternehmen einfach nur das F&E-Budget aufstocken mussten, um bald darauf mit innovativen Produkten auf den Markt zu kommen, vorbei. Die Digitalisierung erfordert neue Innovationsstrategien.

Tun Unternehmen denn etwas dafür, um derlei Innovationen zu entwickeln?
Unsere Studie hat gezeigt, dass immer mehr Unternehmen auf dem richtigen Weg sind: Über 60 Prozent aller großen Unternehmen setzen zum Beispiel auf „Open Innovation“. Ihre F&E-Abteilungen öffnen sich also gezielt für externe Impulse, und zwar nicht nur aus dem Unternehmen selbst, sondern auch von außerhalb der eigenen Organisation. Fast ebenso beliebt ist das sogenannte „Design Thinking“. Damit ist der Ansatz gemeint, dass Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte in erster Linie aus Nutzersicht denken. Zudem vertrauen inzwischen 55 Prozent auf „Co-Creation“. Sprich: Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner werden in den Innovationsprozess einbezogen.

Welche Erwartungen sind daran geknüpft?
Viele Unternehmen hoffen darauf, das „next big thing“ zu entdecken, das alles auf dem Kopf stellt. Auf den einen großen Wurf zu spekulieren scheint daher derzeit populärer zu sein als eine Strategie der vielen kleinen Erfolge zu verfolgen. Besonders dominant ist diese Blockbuster-Mentalität in der Technologiebranche. Daneben trifft man aber auch unter Pharmaunternehmen, in der Telekombranche und in der Automobilwirtschaft immer häufiger auf dieses Phänomen. Dabei muss man sagen: Im Zeitalter der Digitalisierung funktionieren zwar manche Branchen nach dem „Winner takes it all“-Prinzip. Insofern ist die neue Denkweise nachvollziehbar. Trotzdem sollten sich die Innovationsmanager hinterfragen, ob es wirklich immer klug ist, alles auf eine Karte zu setzen.

Der Beitrag „Viel hilft nicht immer viel“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.