Viele Vereine kämpfen mit dem finanziellen Druck.

Zahlreiche Traditionsvereine sind beim Versuch einer Rückkehr in den Profi-Fußball in die Insolvenz gerutscht.

Das Beispiel von Alemannia Aachen macht es deutlich: Vor allem die Regionalliga ist für viele Fußballklubs offenbar kaum noch finanzierbar. Der Verein, der 2007 noch in der Bundesliga spielte, musste schon zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Und mit diesem Problem ist er nicht allein. Rund zwei Dutzend Fußballvereine sind in den vergangenen Jahren in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht, bilanziert Westline.

„Bis auf die U23-Vertretungen und zwei oder drei anderen Vereinen in der Liga droht allen Klubs permanent die Pleite – man hält meist nur irgendwie den Kopf über Wasser“, sagte Hajo Sommers dem Revier-Sport. Nach Meinung des Präsidenten des inzwischen viertklassigen, ehemaligen Bundesligisten Rot-Weiß Oberhausen sei der Deutsche Fußball-Bund schuld. „Die Tendenz zeichnet sich ab, dass die 1. und 2. Liga zählt, darunter entwickeln sich die Ligen zu Opfern, die bei den Ansprüchen kaum noch überleben können.“ Mit den Kickers Offenbach, Rot-Weiss Essen, dem Wuppertaler SV, dem SSV Ulm, dem FC Homburg oder Borussia Neunkirchen haben neben Aachen zahlreiche frühere Erstliga-Vereine bereits schon mal Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Auch der VfB Lübeck, der SSV Reutlingen, der FC Gütersloh, Rot-Weiss Ahlen, der Bonner SC, der FSV Zwickau oder der erste deutsche Meister VfB Leipzig (inzwischen 1. FC Lok Leipzig) stehen auf dieser Liste.

„Können uns die Regionalliga nicht leisten“

Den Zweitliga-Absteigern FSV Frankfurt und SC Paderborn, die gegen den nächsten Abstieg in die Regionalliga kämpfen, droht ebenfalls die Pleite. Der langjährige Zweitligist Sportfreunde Siegen vermied dies nur auf Kosten eines freiwilligen Rückzugs in die Oberliga. Dabei zieht die Insolvenz statt des Zwangsabstiegs heute nur noch den Abzug von neun Punkten nach sich. Siegen-Vorstand Gerhard Bettermann machte trotzdem Nägeln mit Köpfen: „Man muss ehrlich sein und den Tatsachen ins Auge sehen – Siegen kann sich die Regionalliga nicht leisten.“

Auch beim früheren Zweitligisten Röchling Völklingen ist man unsicher, ob der Aufstieg in die Regionalliga Sinn macht. „Über die sportliche Wertigkeit eines Aufstiegs muss man nicht reden. Doch dem stehen wirtschaftliche Risiken gegenüber“, sagte Präsident Michael Arnold. Andere Vereine agieren da weniger bedacht und steuern mit vollem Risiko ins Verderben. Sie leisten sich nach Abstiegen völlig überteuerte Kader oder überheben sich, wie Aachen, mit erstligareifen Stadien. Franz Wunderlich, Sportvorstand der 2010 insolventen Viktoria aus Köln, hat wenig Mitleid: „Man muss eben seine Hausaufgaben machen. Ich habe auch ein Unternehmen mit 200 Leuten und muss dafür sorgen, dass die Firma läuft. So ist es auch bei einem Fußballverein.“

Der Beitrag Traditionsvereine kämpfen gegen die Pleite erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.