Dr. Sascha Haghani, Bild: © Andreas Reeg/Roland Berger

Eine Studie zeigt: Geschäftsmodelle bedürfen des Wandels. Warum das so ist, erklärt Sascha Haghani von Roland Berger.

Herr Haghani, für die „Restrukturierungsstudie 2017“ haben Sie rund 800 Restrukturierungsexperten zu aktuellen Themen und Trends befragt. Inwieweit ist das Thema Restrukturierung selbst denn ein aktuelles?
Restrukturierung bleibt für deutsche Unternehmen ein wichtiges Thema: Vor allem Innovationsdruck und Digitalisierung zwingen Betriebe dazu, ihr Geschäftsmodell permanent anzupassen. Dies betrifft einige Branchen besonders, etwa die Konsumgüterbranche und die Autoindustrie, wie unsere Studie zeigt. Bei den Konsumgüter-Unternehmen dürften steigende Kundenanforderungen, höherer Preisdruck und die Digitalisierung die Hauptgründe sein. Und die Automobilindustrie steht insgesamt vor einem großen Umbruch durch die Etablierung alternativer Antriebs- und Mobilitätskonzepte.

Inwieweit wirken sich auch wirtschaftliche und geopolitische Umstände auf den Sanierungsdruck aus?
Die konjunkturelle Entwicklung wirkt sich kaum auf die Lage aus. Die Teilnehmer unserer Umfrage erwarten zwar eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums, aber sie messen dem in Bezug auf Restrukturierungen wenig Bedeutung zu. Viel mehr Einfluss erwarten sie von politischen Faktoren. Mit 23 Prozent der Nennungen hat sich dabei der Ost-West-Konflikt ganz nach vorne geschoben – das sind 18 Prozentpunkte mehr als in der Vorjahresumfrage. An zweiter Stelle folgen innereuropäische Themen wie der Brexit mit 19 Prozent. Dagegen spielt die konjunkturelle Entwicklung Chinas eine weniger relevante Rolle – nur acht Prozent der Befragten halten sie für einen wichtigen Krisenfaktor. Im Jahr 2016 waren es noch 15 Prozentpunkte mehr.

Was sind die Hauptgründe dafür, dass sich Unternehmen für eine Restrukturierung entscheiden?
Die wichtigsten Gründe für eine Neuausrichtung von Geschäftsmodellen sind für 42 Prozent der Umfrageteilnehmer der Innovationsdruck und der Zwang zur Digitalisierung. Das zeigt, dass sowohl die Geschwindigkeit als auch der Umfang der digitalen Transformation weiter zunehmen. Immer mehr Unternehmen spüren das. Der Wettbewerb zieht an, erfordert immer schlankere Kostenstrukturen und zwingt viele Marktteilnehmer zur Konsolidierung. Dazu kommt eine verstärkte Regulierung, die ebenfalls für Anpassungsdruck sorgt.

Wird die Zahl der Neuausrichtungen zunehmen?
Die absolute Zahl der Sanierungsfälle wird wohl mehr oder weniger gleich bleiben, allerdings erwartet mehr als die Hälfte der von uns Befragten eine zunehmende Komplexität bei den Restrukturierungsfällen.

Dr. Sascha Haghani ist Managing Director Germany und Global Head of Competence Center Restructuring & Corporate Finance von Roland Berger.

Der Beitrag „Restrukturierung bleibt wichtiges Thema“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.