Optimale Entscheidungen in der Unternehmensführung gelingen mit dem Goldenen Schnitt zwischen Zahlen und Gefühlen. Goldene Regeln dafür sind schon in der Praxis erprobt.  

Matthias Memminger

Fehlentscheidungen der Unternehmensführung haben nicht nur extrem kostspielige Konsequenzen, sie sind bei Weitem das größte Risiko für nachhaltigen Geschäftserfolg bis hin zum Scheitern. In zahllosen Studien wurde versucht, den Code für erfolgreiche Entscheidungen zu knacken. Auch wenn bisher die gewinnbringende Erfolgsformel noch nicht gefunden wurde, gibt es einige praxiserprobte Regeln, die die Entscheidungsqualität und damit den Unternehmenserfolg signifikant verbessern.

Der entscheidende Durchbruch, Managemententscheidungen besser zu verstehen, kam vom Nobelpreisträger Daniel Kahneman. Auf Basis empirischer Studien unterscheidet er zwei Modelle, mit deren Hilfe das menschliche Gehirn Entscheidungen fällt: Intuition und Analyse. Intuition, das schnellere, effektivere, aber auch oberflächlichere Modell basiert auf einer Verdichtung der persönlichen Erfahrungen eines Managers. Dabei versucht das Gehirn, auf Situationen zurückzugreifen, die der anstehenden Entscheidung am nächsten kommen, um dann die in der Vergangenheit erfolgreiche Option zu wählen. Das rationale Entscheidungsmodell ist deutlich gründlicher, fundierter, aber auch langsamer und basiert auf Zahlen, Fakten und Analysen. Oft werden die Analysen in Kennzahlen verdichtet oder in einfachen Algorithmen simuliert. Beide Entscheidungsmodelle haben Stärken und Schwächen und sinnvoll kombiniert steigern sie die Entscheidungsqualität nachhaltig.

Empirische Studien haben konsistent nachgewiesen, dass bei Routineentscheidungen einfache analytische Modelle basierend auf wenigen Kennzahlen der menschlichen Intuition deutlich überlegen sind. So kann ein Modell auf Basis von drei Kennzahlen – Durchschnittstemperatur im Sommer, Regenfall bei der Ernte und Regenfall im Vorjahr – mit mehr als 90-prozentiger Sicherheit die Preisentwicklung von Bordeaux-Weinen vorhersagen. Vergleichbare Modelle haben in vielen Wirtschaftsbereichen bereits die Aufgaben von Menschen übernommen. So wird die Kreditvergabe von Banken hauptsächlich über Modelle entschieden. Mobilfunk- oder Versicherungstarife werden immer stärker individuell auf Basis von Scoring-Modellen bepreist. Sogar in sensiblen Bereichen wie der Notfallchirurgie werden Diagnosen durch Checklisten standardisiert. Diese Modelle funktionieren hoch zuverlässig in statischen und strukturierten Situationen. Sobald jedoch ungewöhnliche Extremereignisse oder Krisen eintreten, verlieren diese Modelle ihre Verlässlichkeit und Qualität.

Matthias Memminger ist Partner der Managementberatung Bain & Company, für die er Banken in Strategie und Unternehmer bei kritischen Entscheidungen außerhalb deren Kerngeschäftes berät.

Der Beitrag Mit Hirn und Herz erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.