Mittelständische Unternehmen, die einen hohen Digitalisierungsgrad haben, steigern ihren Gewinn um fast 20 Prozent. Aber auch Mittelständler, die sich gerade auf den Weg gemacht haben, verzeichnen bereits ein kleines Plus bei Umsatz und Ertrag.

Das Förderprogramm go-digital. Bild: © chagin / stock.adobe.com
Mit dem Grad der Digitalisierung wachsen in der Regel Umsatz und Profit. Bild: © chagin / stock.adobe.com

Das zeigt die aktuelle Studie „Digitale Dividende im Mittelstand“ des Beratungsunternehmens Mind Digital und der Rheinischen Fachhochschule Köln. Die empirische Untersuchung basiert auf einstündigen Tiefeninterviews mit Entscheidern aus 54 mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen. Die Befragung wurde von November 2017 bis Mitte Januar 2018 durchgeführt wurden. Durch die Befragung ermittelt wurde der digitale Reifegrad der Unternehmen und dessen Auswirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die Studie wurde von Telekom Deutschland, AlixPartners und Iskander Business Partner (IBP) in Auftrag gegeben.

Gewinnwachstum bis knapp 20 Prozent erreicht

Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad vermelden im Durchschnitt ein Gewinnwachstum von knapp 20 Prozent, so die Studie „Es war eine positive Überraschung, dass weit weniger mittelständische Unternehmen im digitalen Dornröschenschlaf sind als vermutet“, so Katharina Sigel, Prinzipal bei IBP. „Nicht nur Unternehmen aus der Industrie, sondern auch Handel, Dienstleistungen oder Bau und Immobilien sind weit vorne mit dabei und packen entweder mit ersten Projekten oder ganzen Digitalisierungsprogrammen das Thema an.“

Vier Digitalisierungsgrade bei Unternehmen erkennbar

Die Untersuchung identifiziert vier Typen von Unternehmen. An erster Stelle stehen die „Digital Leader“. Ihr durchschnittliches Umsatz- und Gewinnwachstum beträgt 12,8 bzw. 19,8 Prozent. Damit stehen sie deutlich besser da als alle anderen Befragungsteilnehmern. „Digital Leader“ machen etwa ein Viertel der befragten Unternehmen aus. Bei ihnen erkennt Bernhard Steimel, Inhaber von Mind Digital, einen kulturellen Wandel: „Digital Leader setzen mit digitalen Managementmethoden auf Transparenz, und sie haben bereits Kompetenzen erlangt, um neue Geschäftsmodelle zu etablieren und echte Kundenerlebnisse zu gestalten.“

„Digital Starter“ nennt die Studie jene Mittelständler, die sich gerade auf den Weg gemacht haben. Sie machen ein knappes Drittel aus und bewegen sich im Bereich von drei Prozent Umsatzsteigerung und 1,7 Prozent Gewinnwachstum. Sie gehen Schritt für Schritt vor, haben weder ein Zielbild noch sind sie in eine Strategie für die digitale Transformation eingebunden. Zwischen diesen beiden Clustern „Starter“ und „Leader“ siedeln die Studienautoren zwei weitere Gruppen von Unternehmen an: Digital Operation Excellence-Experten (Digital OX) und Digital Customer Experience-Experten (Digital CX).

Auch Kundennähe kann Digitalisierungsstrategie sein

„Digital OX“ erzielen Produktivitätsgewinne durch digitale Kosten- und Prozessoptimierung. „Digital CX“ haben vor allem Kundennähe und Kundenerlebnisse auf dem Plan. Durch Online-Kundenportale, E-Services und E-Support gelingt es ihnen, Kunden enger an sich zu binden und mehr Neukunden zu gewinnen, so die Studie.
Hier zeige sich jedoch noch Entwicklungspotenzial: E-Commerce sei ebenso wie digitale Kaufberatung noch nicht die Regel im deutschen Mittelstand. Auch sei der digitale After-Sales-Support bei etwa der Hälfte der Befragten unzureichend. „Statt primär Kosteneffizienz und Prozessoptimierung anzustreben, wollen sich die Mittelständler in Zukunft stärker auf Kundenzufriedenheit, Produktinnovationen sowie Umsatz- und Gewinnsteigerung fokussieren“, heißt es in der Studie. Hierzu müsse die Inhouse-Expertise deutlich verbessert werden.

Herausforderung erkannt – aber noch nicht umgesetzt

„Bei vielen Unternehmen lässt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit erkennen“, so Stefan Meyer-Spickenagel, Partner bei IBP. „Viele Unternehmen haben zwar auf der Management-Ebene das Potential der Digitalisierung erkannt, besitzen aber auf der Umsetzungsebene nicht die Expertise und Ressourcen für die praxiserprobte Umsetzung.“

Die Vorreiter der Digitalisierung empfehlen laut Studie drei Dinge:

  • Dringlichkeit erzeugen, Zielbild erstellen und Fahrplan priorisieren, um Tempo zu machen.
  • Früher ins Machen kommen, mehr unternehmerischen Freigeist fördern, mehr Freiraum schaffen.
  • Mitarbeiter frühzeitig einbinden, um Akzeptanz zu steigern und Veränderungsprozess zu beschleunigen.

Der Beitrag Mit der Digitalisierung steigen die Profite erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.