Ein unvorhergesehener Anstieg der Schweinefleischpreise war Auslöser der Insolvenz.

Ein führender Hersteller von Wurst- und Convenience-Waren ist pleite. Doch der Insolvenzverwalter ist zuversichtlich.

Der Margendruck in der Wurstbranche hat ein prominentes Opfer gefunden: Der Fleischwarenhersteller Lutz ist pleite. Bereits am Mittwoch vergangener Woche haben die sieben Gesellschaften der Firmengruppe beim Amtsgericht Augsburg einen Insolvenzantrag gestellt. Der Konzern zählt mehr als 800 Mitarbeiter an verschiedenen deutschen Standorten und gilt als einer der führenden deutschen Hersteller von Wurst- und Convenience-Produkten.

Neu sind die Probleme bei Lutz nicht: Bereits seit 2014 befindet sich die Firmengruppe, die alle großen deutschen Lebensmittelhandelsketten – darunter auch Aldi, Lidl, Edeka, Rewe – beliefert, in einer Restrukturierung. Zuletzt hatte die neue Geschäftsleitung ein aussichtsreiches Sanierungskonzept erarbeitet. Dass den Managern der Gang zum Amtsgericht nun dennoch nicht erspart blieb, liegt nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter an einem nicht vorhergesehenem Anstieg der Schweinefleischpreise. Dieser habe zu einem Liquiditätsengpass geführt, der kurzfristig nicht überwunden werden konnte.

Geschäftsführung und Insolvenzverwalter sind zuversichtlich

Werner Wolf, der Geschäftsführer von Lutz, versucht die nun gezogenen Konsequenzen dennoch positiv zu sehen: „Das Insolvenzverfahren bietet die Möglichkeit, den Sanierungskurs fortzusetzen und das Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt er. Auch die vorläufigen Insolvenzverwalter sind nach ersten Gesprächen mit der Geschäftsführung und Geschäftspartnern zuversichtlich, dass eine Sanierung möglich ist. Schon jetzt hätten sich potentielle Investoren für das Unternehmen gemeldet. „In erster Linie gilt es nun, den Mitarbeitern und Geschäftspartnern die Sicherheit zu geben, dass der Geschäftsbetrieb weitergeführt wird“, sagt Robert Hänel vom Team der vorläufigen Insolvenzverwalter. Das erfordere einen hohen Kommunikationsaufwand, aber die Rahmenbedingungen seien gut.

Das 1891 gegründete Traditionsunternehmen Lutz hat seinen Hauptsitz in Landsberg am Lech und besteht heute nach eigenen Angaben aus sieben Produktionsstätten, 29 Filialen, neun Frischecentern und drei Fleischmärkten sowie den Marken Lutz, Weimarer, Quisit, Nocker, Artland, Vegetaria und Heiter – Ihr Rheingauer Metzger. 2006 wurde das Unternehmen von der niederländischen Unternehmensgruppe VION übernommen und dort in den Geschäftsbereich Convenience eingegliedert. Im Mai 2014 veräußerte Vion den deutschen Teil der Sparte Convenience Retail allerdings. Neuer Haupteigentümer der Lutz Gruppe wurde ein Konsortium unter Führung der Münchener Beteiligungsgesellschaft Paragon Partners. Dem Konsortium gehören zudem der frühere Schinkenhersteller Jürgen Abraham und der ehemalige Chef von Vion Deutschland, Norbert Barfuß, an.

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