Kol­laps als Straf­tat

Verschleppungen als Insolvenzstraftat kommen häufig vor. Denn oft erkennen Unternehmenslenker den Ernst der Lage nicht rechtzeitig genug.

Anja Kühner. Bild: © Anja Kühner.
Anja Kühner. Bild: © Anja Kühner.

Vor fast sechs Jahren kam es zum großen Knall: Schlecker war pleite, obschon einst größte Drogeriemarktkette Europas mit rund 50.000 Mitarbeitern in 14.000 Filialen und mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz. Die Inhaberfamilie muss
sich jetzt seit März 2017 vor Gericht verantworten. Vorwurf:
 Anton Schlecker vor der Insolvenzanmeldung soll Vermögen beiseite geschafft haben – unter anderem in
 36 Fällen, in denen das Geld dann
 den Gläubigern nicht zur Verfügung stand. Angeklagt sind auch 
die Kinder des Firmenlenkers vor
allem wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung mit einem
 Schaden in Millionenhöhe.

Barbara Bocks. Bild: © Barbara Bocks.
Barbara Bocks. Bild: © Barbara Bocks.

Insolvenzstraftaten in Deutschland
 stiegen im vergangenen Jahr leicht
 auf insgesamt 11.283 Fälle, heißt es im Bericht der Innenministerkonferenz zur polizeilichen Kriminalstatistik 2016. Dabei handelte es sich in knapp der Hälfte der Fälle um Verschleppungen nach Paragraph 15a der Insolvenzordnung (InsO). Für involvierte Unternehmer eine schlechte Nachricht, für die Wirtschaft eine gute: Die Aufklärungsquote ist mit 99 Prozent extrem hoch.

Lange Liste der
 Insolvenzdelikte


„Im Grunde steckt in jedem Unternehmenszusammenbruch eine Straftat“, beschreibt Raimund Weyand plakativ. Er ist Autor des inzwischen in zehnter Auflage erschienenen Buchs „Insolvenzdelikte“. Verschleppung, Buchführungs- und Bilanzdelikte, Verstöße gegen die Beitragspflicht zu den Sozialkassen – in seltenen Fälle auch Betrug, Unterschlagung sowie Urkundenfälschung – das sind die typischen Delikte, die der Oberstaatsanwalt aus Saarbrücken aufführt.


Nicht bei allen Insolvenzverschleppungen geht es um derart hohe Summen wie beim ehemaligen Drogeriekonzern Schlecker. Manche Fälle klingen eher wie das Drehbuch eines schlechten Films. Im Fall der Hannoveraner Bäckerei-Kette Doppelkorn mit 120 Mitarbeitern hatte ein Angestellter einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem der aktuelle Geschäftsführer abgetaucht und der neue noch nicht im Handelsregister eingetragen war. Einige Mitarbeiter vermuten nach einem Medienbericht, dass der Geschäftsführer die Bäckerei gezielt in die Pleite getrieben und sich dann abgesetzt habe, andere sehen in der Pleite schlicht ein Zeichen für Überforderung.

Barbara Bocks und Anja Kühner haben für diesen Beitrag in Teamarbeit recherchiert und geschrieben. Die kompletten Ergebnisse ihrer Ermittlungen über Straftaten beim Zusammenbruch von Unternehmen lesen Sie in return 04/17.

Der Beitrag Kollaps als Straftat erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.