Klinik und Rehazentrum Lippoldsberg wurden aus Insolvenz entlassen. Bild: © miss_mafalda / Fotolia

Das Klinikum Lippoldsberg hat es geschafft: Das Insolvenzverfahren wurde aufgehoben – die Neuausrichtung geht weiter.

Gut fünf Jahre hatten Geschäftsführung, Mitarbeiter und Gläubiger für den Erhalt des Klinikums Lippoldsberg gekämpft – nun ist dieser Kampf endlich ausgestanden. Wie der Insolvenzverwalter der Einrichtung mitteilte, konnte sich die in „Klinik und Rehabilitationszentrum Lippoldsberg GmbH“ umfirmierte Einrichtung erfolgreich neu positionieren und die Insolvenz abschließen. Das Amtsgericht Kassel habe das Verfahren offiziell aufgehoben. Damit wird der Insolvenzplan umgesetzt, den die Gläubiger vor einem halben Jahr einstimmig angenommen hatten. „Alle Beteiligten haben hier im Interesse des Erhalts der Klinik mit Können, Geduld und großem Einsatz an einem Strang gezogen“, sagte Franz-Ludwig Danko von der bundesweit tätigen Kanzlei Kübler. Er hatte die Einrichtung als Insolvenzverwalter seit März 2012 gemeinsam mit Interims-Geschäftsführer Ralf Pinnau geführt.

Einfach war dieser Weg nicht: 2013 sprang ein Investor kurzfristig ab – die Hoffnung auf eine zügige Sanierung zerschlug sich. Was folgte, waren eine langwierige Stabilisierung und leistungswirtschaftliche Sanierung des Hauses. Die Mühen zahlten sich aus: Durch strategische Investitionen, den Ausbau der akutstationären Frührehabilitation und die Kooperationen mit der Universitätsmedizin Göttingen konnte die Klinik ihre medizinische Spezialisierung vorantreiben und die Bettenbelegung deutlich steigern. „Wir freuen uns, mit unserem sanierungserprobten Team aus Ärzten, Therapeuten und Mitarbeitern den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen“, sagte Pinnau, der nun – ebenso wie der Berliner Rechtsanwalt und Notar Jan-Peter Heyer – als Gesellschafter der Klinik fungiert.

Strategische Ausrichtung läuft weiter

Pinnaus Ziel ist klar: Er wolle die strategische Ausrichtung zu einem modernen und leistungsfähigen Rehazentrum für akutstationäre Frührehabilitation vorantreiben. „Mit unseren interdisziplinären Teams aus Ärzten, Therapeuten, und Pflegemitarbeitern erzielen wir regelmäßig sehr gute Behandlungsergebnisse“, betonte er. „Gleichzeitig verfügt das Haus über eine spürbare Patientenorientierung und Entwicklungsfreude, was man zum Beispiel an unserer Ergotherapieschule sehen kann, die im Insolvenzverfahren einen Bachelor-Studiengang entwickelt hat. Das sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft.“

Mit ihrer Geschichte geht die Klinik Lippoldsberg als erfolgreiches Beispiel für zahlreiche andere Häuser voran, die aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in die Insolvenz gerutscht sind. Vor allem in den vergangenen Monaten hatten sich die Meldungen um Krankenhaus-Pleiten gehäuft. Dabei gibt es noch weitere Häuser, die positive Nachrichten zu vermelden haben – wie zum Beispiel das Sana-Klinikum Offenbach. Das ehemals städtische Krankenhaus war 2013 an den Sana-Konzern verkauft worden, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Nach Angaben der Geschäftsführung zahlt sich der Sanierungskurs mehr und mehr aus – das zeigten die Zahlen für 2016. „Mit einem Ergebnis von 2,8 Millionen Euro konnten wir das Jahresergebnis im Vergleich zu 2015 mehr als verdoppeln“, fasst Geschäftsführer Sascha John die Bilanz zusammen. „Es ist uns in 2016 weiter gelungen, die Ausgaben zu reduzieren und gleichzeitig in die medizintechnische Ausstattung und in die Standortentwicklung des Geländes zu investieren.“

Investiert werden soll auch in Zukunft: „Um im engen Wettbewerb der Krankenhäuser im Rhein-Main-Gebiet gut aufgestellt zu sein, ist sowohl die Versorgung der Patienten mit modernsten Hilfsmitteln von großer Bedeutung als auch die ständige Erneuerung der medizintechnischen Ausstattung“, erläutert John seine Modernisierungsstrategie. Als eines der wenigen Krankenhäuser im Rhein-Main-Gebiet setze das Sana Klinikum Offenbach beispielsweise ein neues Kreislauf-Unterstützungssystem zur akuten Behandlung von Herzversagen ein.

Text: Christin Otto

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