Banken dürfen seit der Finanzkrise nur noch unter bestimmten Voraussetzungen mit Staatsgeldern gerettet werden. Bild: © instamatics / Getty Images / iStock

Die marode Traditionsbank Monte dei Paschi ist gerettet: Die EU-Kommission hat der Rekapitalisierung zugestimmt.

Aufatmen bei einer der ältesten Banken der Welt: Die EU-Kommission hat zugestimmt, dass Italien der angeschlagenen Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena mit einer milliardenschweren Kapitalspritze helfen darf. Das Institut sitzt auf faulen Krediten und meldete zuletzt Milliardenverluste. Bereits im Dezember hatte die italienische Regierung einen Bankenhilfsfonds mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 20 Milliarden Euro aufgelegt. Der Kapitalbedarf der Monte dei Paschi lag laut EZB vor einigen Monaten bei 8,8 Milliarden Euro. Die Bank erwartet nach Angaben vom Januar rund sechs Milliarden vom italienischen Staat, den Rest von institutionellen Anlegern. Das Geldhaus wäre damit zu etwa 70 Prozent in Staatshand.

Doch die Monte dei Paschi ist nicht die einzige italienische Bank, die auf Hilfe angewiesen ist. Auch die Krisenbanken Popolare di Vicenza und Veneto Banca wollen sich nach Informationen der ARD an den Rettungsfonds wenden, um dort Hilfe bei der Deckung ihrer Kapitallücke zu erhalten. Im zersplitterten italienischen Bankensystem gelte letztlich nur die aus einer Fusion entstandene Großbank Intesa Sanpaolo als solide. Die UniCredit, die zweite große Bank Italiens, befindet sich derzeit im Umbau.

Experten kritisieren die Rettung

Eine Umbau steht nun auch der Monte dei Paschi bevor. Um die Überlebensfähigkeit der Bank zu sichern, soll das Haus einem weitreichenden Restrukturierungsprogramm unterzogen werden. Die Bilanzen sollen von notleidenden Krediten gesäubert und die Gehälter der Bankmanager gedeckelt werden.

Dass das Institut Hilfe vom Staat bekommt, stößt Kritikern jedoch übel auf. Schließlich hatten Politiker nach der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007 versichert, dass Banken nicht mehr von Staatsgeldern gerettet werden sollen. Hierfür verabschiedete die EU eigens den einheitlichen Bankenabwicklungsmechanismus (SRM). Die neuen Regelungen besagen: In Krisen sollen zunächst Aktionäre, Anleihegläubiger und der von den Banken gespeiste Bankenrettungsfonds helfen. Ist eine Rettung auf diesem Weg nicht möglich, wird die Bank abgewickelt.

Ausnahmen dürfen nur gemacht werden, wenn davon auszugehen ist, dass die finanziellen Engpässe der Bank vorübergehend sind und das Institut auf lange Sicht als profitabel einzuschätzen ist. Bedeutet also: „Die EU hat die völlig marode italienische Bank Monte dei Paschi zu einer eigentlich gesunden Bank erklärt, der man lediglich kurzfristig unter die Arme greifen müsse“, schreibt die Finanzmarktwelt. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisiert die Entscheidung: „Die Bank hat ihre Schieflage zum allergrößten Teil selbst verschuldet. Teure Übernahmen, Bilanzschwindel, viele faule Kredite, jahrelanges Missmanagement – es gibt wohl wenige Banken, die so viel Unrat angehäuft haben. Vorübergehend ist hier gar nichts. Zudem wären die Risiken einer Abwicklung für die Finanzmärkte überschaubar gewesen.“

Der Beitrag Hilfe für Italiens Krisenbank Monte dei Paschi erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.