Dr. Teita Bijedić. Bild: © IfM Bonn

Laut der neuen Studie „Gründungserfolg von Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen“ des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und der Uni Siegen gründen Wissenschaftler am liebsten im Team. Dennoch gibt es bei den meisten Gründungen immer noch Probleme: Es fehlen finanzielle Mittel und Marktkenntnisse und auch der finale Schritt zur Kommerzialisierung ist schwierig. Die Gründe dahinter erklärt Mitforscherin Dr. Teita Bijedić.

Woran liegt es, dass viele Gründer und Wissenschaftler so lange brauchen, um ihre Gründungsidee letztendlich wirklich umzusetzen?
DR. TEITA BIJEDIĆ: Bei unserer Befragung nannten die Wissenschaftler an den Hochschulen vor allem drei Gründe, warum sie eine Gründungsidee aufschieben: fehlende finanzielle Mittel, mangelnde Marktkenntnisse und fehlendes kaufmännisches Wissen sowie Zeit, um das Vorhaben voranzutreiben. Allerdings handelt es sich dabei häufig auch um wissensintensive und technologieorientierte Gründungen, die mehr Zeit benötigen, um das komplexe Vorhaben umzusetzen und um ausreichend Kapital hierfür zu akquirieren. Das ist auch der entscheidende Unterschied zwischen Aufschiebern und Abbrechern: Letztere geben vor allem aufgrund eines fehlenden Geschäftskonzepts auf. Bei den weiblichen Wissenschaftlern kommt zudem die Sorge hinzu zu scheitern.

Diejenigen Wissenschaftler, die letztlich ein Unternehmen gegründet haben, starteten daher zunächst oftmals im Nebenerwerb. Zudem waren Wissenschaftler eher bereit, ihre Gründungsidee umzusetzen, wenn sie bereits eine Erfindung hervorgebracht hatten.

Gibt es Dinge, die bei gewissen Gründungen fehlen? Oder gar Unterstützung, die einfach fehlt?
Es gibt bereits eine ganze Reihe an Fördermaßnahmen: Ein Beispiel hierfür ist das Programm „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung“ – kurz VIP+, mit dem das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Wissenschaftler aller Disziplinen fördert.

Auch existiert inzwischen so gut wie an jeder Hochschule eine gründungsfördernde Infrastruktur sowie Unterstützung für den Wissenstransfer. Allerdings nutzt nur eine Minderheit der Wissenschaftler die Angebote an der eigenen Hochschule. Dabei fehlen nach eigenem Bekunden gründungswilligen Wissenschaftlern häufig insbesondere betriebswirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse, die in der Regel zum Beratungsangebot der Gründerbüros gehören.

Gleichwohl gibt es einige spezifische Aspekte, die in den Förderprogrammen noch mehr Beachtung finden könnten, wie unsere aktuelle Studie zeigt: So könnten die Fördergeber beispielsweise noch stärker berücksichtigen, dass die Entwicklung von Forschungsergebnissen zur Marktreife mitunter sehr zeitaufwändig sein kann. Auch empfiehlt es sich, die bestehenden Förderprogramme dahingehend zu überprüfen, ob auch größere und heterogenere Gründerteams, die nicht nur aus Hochschulangehörigen bestehen, förderungswürdig sein könnten. Unsere Befragung hat gezeigt, dass Wissenschaftler nicht nur in zunehmendem Maße mit anderen gemeinsam in die Selbstständigkeit starten möchten, sondern dass diese Teamgründungen aufgrund der eingebrachten verschiedenen Fähigkeiten und Netzwerke auch erfolgreicher als Einzelgründungen sind. Schließlich holen sich viele Gründerteams gerne auch Personen in die eigenen Reihen, die außerhalb der Hochschule Gründerwissen und Marktkontakte erworben haben.

Wie könnte eine Umstrukturierung im Prozess der Gründung und dessen Unterstützung aussehen?
Es würde sicherlich für viele Wissenschaftler gründungsfördernd wirken, wenn ihr Erfolg nicht nur an der Anzahl ihrer Veröffentlichungen und an ihrer Lehrleistung gemessen würde, sondern auch am Erfolg des Wissenstransfers. Unterstützend würde es aber auch wirken, wenn gründungsinteressierte Wissenschaftler die Möglichkeit hätten, zeitweise ihre Verpflichtungen in Forschung und Lehre zu reduzieren.

Wieso fehlt der finale Schritt der Kommerzialisierung?
Der finale Schritt der Kommerzialisierung fehlt umso mehr, je weniger die Wissenschaftler angewandte bzw. multidisziplinäre Forschung betreiben und je weniger sie Praxiserfahrungen beispielsweise aufgrund früherer Berufserfahrung oder aktueller Nebentätigkeiten besitzen. Wenn bei der Einstellung und Berufung von Wissenschaftlern auch auf vorhandene Kontakte zu außeruniversitären Einrichtungen und Erfahrungen mit Wirtschaftspartnern geachtet würde, könnte dies aus unserer Sicht zu einem besseren Innovationstransfer beitragen.

Interview: Anne Steinbach

Der Beitrag „Gründern fehlen Kenntnisse“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.