Digitalisierung wird branchenübergreifend immer wichtiger.

Die Fondsbranche gibt sich in Sachen digitaler Wandel auffallend gelassen. Doch Experten warnen vor möglichen Konsequenzen.

Bei Vermögensverwaltern ist das Thema digitaler Wandel offenbar noch nicht wirklich angekommen: Das hat eine PwC-Umfrage unter 185 Vorstandsvorsitzenden von Fondsgesellschaften aus 45 Ländern ergeben. Demnach sind zwar immerhin zwei Drittel der Ansicht, der technische Wandel werde in den kommenden fünf Jahren das Wettbewerbsumfeld zumindest deutlich beeinflussen – doch das ist im Vergleich zur gesamten Finanzdienstleistungsbranche ein geringer Durchschnittswert. Zudem sehen nur zehn Prozent die Förderung digitaler und technischer Fertigkeiten als Priorität, gegenüber 32 Prozent der Spitzenbanker und 28 Prozent der Chefs von Versicherungen. „Die Branche denkt beim Thema technologischer Umbruch nicht so agil wie sie sollte“, wird Barry Benjamin, Leiter der Abteilung Asset Management weltweit bei PwC, von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert.

Auch Christian Leurs von der Unternehmensberatung EGC Eurogroup Consulting hält die augenscheinliche Gelassenheit in der Fondsbranche für einen Fehler. Die größte Gefahr von den Internet-Unternehmen aus: Wenn Banken und Vermögensverwalter keine Agenda entwickelten, wo sie in fünf Jahren in puncto Digitalisierung stehen wollten, kämen irgendwann Apple, Google oder Facebook mit Macht in den Markt. Das bedrohe zwar nicht die Platzhirsche unter den Vermögensverwaltern, da diese über die Banken verfügen, zu denen sie gehörten. „Wer die aber nicht hat, wird unter Druck geraten. Dann wird es sogar für etablierte Unternehmen sehr schwierig.“

Bisher erzeugen Fintechs und die automatisierte Vermögensverwaltung, auch „Robo-Advising“ genannt, in Deutschland zwar noch keinen großen Veränderungsdruck, doch das Potential besteht. Experten gehen davon aus, dass sich vor allem die Betreuung der Kleinkunden ändern wird. „Im Payment-Sektor und im Retail-Banking finden sich schon unzählige Beispiele, wie FinTechs mit neuen Lösungsansätzen die Spielregeln verändern. Vieles spricht dafür, dass das Asset & Wealth Management der nächste Bereich ist, der von technologiegetriebenen Akteuren disruptiert wird“, sagt Markus Hammer, Leiter des Bereichs Asset & Wealth Management bei PwC in Deutschland. Die „Laissez faire“-Haltung vieler traditioneller Vermögensverwalter verwundere ihn darum, so Hammer: „Auffällig ist die Parallele zum Aufstieg der Online-Broker Ende der 90er-Jahre. Auch diese Herausforderung wurde von den AWMs lange Zeit verkannt – ein Fehler, der letzten Ende zum Verlust signifikanter Marktanteile führte.“

Der Beitrag Fondsbranche bei digitalem Wandel zu bequem erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.