Fir­men pla­nen den Wan­del der Fabrik

91 Prozent der Fertigungsunternehmen in Deutschland investieren in die digitale Produktion.

Um die Effizienz und Nähe zum Kunden zu stärken, investieren immer mehr Unternehmen in den Ausbau digitaler Fabriken.

Die digitale Fabrik steht ganz oben auf der Management-Agenda der Industrie: 91 Prozent der Fertigungsunternehmen in Deutschland investieren in die digitale Produktion. Davon erhoffen sie sich vor allem Effizienzsteigerungen und eine größere Nähe zum Kunden, um flexibler auf die veränderten Anforderungen reagieren zu können. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue PwC-Studie. Die Ausbaustufen der Digitalisierung in deutschen Industrieunternehmen variieren demnach stark: Immerhin sechs Prozent beschreiben ihre Fabriken bereits heute als vollständig digitalisiert. Die große Mehrheit (85 Prozent) hat Teilbereiche vernetzt oder setzt digitale Technologien für Insellösungen ein. Nur neun Prozent planen keinen Ausbau zur digitalen Fabrik.

Auf dem Weg zur Smart Factory müssen die Unternehmen noch einige Hürden nehmen: Rund die Hälfte der Befragten räumt ein, dass ihre Mitarbeiter dem digitalen Wandel nicht offen gegenüber stehen (49 Prozent) und dass ihrem Unternehmen eine echte digitale Kultur fehlt (52 Prozent). Das ist vor allem deshalb eine Herausforderung für die Unternehmen, weil Mitarbeiter auch in der digitalen Fabrik die zentrale Rolle spielen: „Es wäre ein großer Fehler, die Bedeutung des Menschen in der digitalen Fabrik zu unterschätzen. Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine wird jedoch neu definiert. Bei diesem Prozess müssen die Firmen ihre Mitarbeiter eng einbinden und mitnehmen“, fordert Dr. Reinhard Geissbauer von der PwC-Strategieberatung.

Insgesamt konstante Beschäftigung erwartet

Über die Hälfte der befragten Unternehmen (56 Prozent) schätzt, dass ihre Belegschaft unverändert bleibt oder sogar wächst. Der Anteil der Mitarbeiter ohne berufliche Qualifikationen wird bis 2022 von 21 auf 17 Prozent sinken; Beschäftigte mit einer fachlichen Berufsausbildung werden konstant 59 Prozent der Belegschaft ausmachen. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen in den kommenden fünf Jahren einen Anstieg der Mitarbeiter mit Hochschulabschluss von 19 auf 24 Prozent. Mit entsprechender Sorge sehen Firmen den Fachkräftemangel: 81 Prozent haben Schwierigkeiten, ihren Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken. Dieses Manko wollen sie vor allem mit hohen Investitionen in die Aus- und Weiterbildung ihrer Belegschaft ausgleichen.

Neben den Mitarbeitern sind Investitionen in die richtigen digitalen Konzepte und Technologien ein zentraler Erfolgsfaktor der digitalen Fabrik: Bei den Konzepten steht Predictive Maintenance an erster Stelle: 28 Prozent der Befragten planen ihre Wartung bereits heute vorausschauend. In fünf Jahren wird dieser Anteil bei zwei Dritteln liegen. Ebenso wichtig stufen die Befragten das Thema Data Analytics ein: 30 Prozent nutzen Datenanalysen, um ihre Prozesse und Produktqualität zu optimieren (2022: 65 Prozent). Bei den digitalen Technologien setzen die Unternehmen vor allem auf vernetzte Sensorik, 3-D-Druck, Virtual/Augmented Reality, humanoide Roboter und künstliche Intelligenz.

Fünf Jahre bis zum ROI

Die befragten Unternehmen rechnen nicht mit einem schnellen Return on Investment (ROI): Fast die Hälfte geht davon aus, dass sich ihre Investitionen erst in fünf Jahren amortisieren. „Nach der anfänglichen Euphorie vor einigen Jahren ist der Realismus zurückgekehrt. Unternehmen planen ihre Investitionen sorgfältig, mit gezielten Initiativen und schätzen den ROI eher konservativ ein“, erläutert Geissbauer.

90 Prozent der Studienteilnehmer sind überzeugt, dass Industrie 4.0 mehr Vorteile als Bedrohungen für ihr Geschäft mit sich bringt: „Die Digitalisierung ist eine riesige Chance für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft. Sie wird sich positiv auf Wohlstand und Lebensstandard auswirken und den Standort Deutschland weiter stärken“, so das Fazit von Geissbauer.

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