In einer neuen Studie über das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG), durchgeführt von der Heidelberger gemeinnützigen Gesellschaft für Unternehmensrestrukturierung (HgGUR) und Roland Berger, wird ersichtlich, dass die ESUG-Ziele bisher nur teilweise erreicht wurden. Dr. Jörg Eschmann, Partner von Roland Berger, erläutert Details im Interview mit return.

Dr. Jörg Eschmann. Bild: © Roland Berger
Dr. Jörg Eschmann. Bild: © Roland Berger

Fünf Jahre nach seinem Inkrafttreten bewertet die Mehrheit der Marktteilnehmer (93%) das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) insgesamt positiv. Trotzdem spalten sich die Meinungen darüber, ob alle damit verbundenen Ziele erreicht wurden, so die neue „ESUG-Studie“ von der Heidelberger gemeinnützigen Gesellschaft für Unternehmensrestrukturierung (HgGUR) und Roland Berger. Befragt wurden rund 2.300 Manager sowie Sanierungs- und Insolvenzexperten.

Herr Dr. Jörg Eschmann, für 94% der Befragten ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren von einem Insolvenzverfahren die frühzeitige Einbindung und Unterstützung durch Insolvenz- und gerichtserfahrene Experten. Welche Gründe gibt es dafür in Ihren Augen?
DR. JÖRG ESCHMANN: Ein Insolvenzverfahren – auch eines in Eigenverwaltung nach 270a/b – unterliegt zahlreichen Aspekten, die nur durch versierte Experten entsprechend gut vorbereitet werden können. Die frühzeitige Einbindung stellt sicher, dass notwendige Unterlagen für die Antragstellung, die Fortführung im Verfahren und die Verwertung der Masse rechtzeitig erstellt werden können. Im ohnehin aufgrund ggf. verschleppter Antragstellung knappen Zeitrahmen sollten nicht zusätzlich Engpässe geschaffen werden.

In vielen Unternehmen ist die Anzahl der Beteiligten und deren Mitspracherecht gestiegen. Welche Risiken sehen Sie darin in Bezug auf Abstimmungsprozesse und dem Treffen finaler Entscheidungen?
In der gestiegenen Anzahl der Beteiligten sehen wir keine Risiken, sondern Chancen, nämlich durch professionelles Stakeholder-Management alle Beteiligten gut und rechtzeitig abzuholen, den Insolvenzprozess zu erläutern, die Rollen zu klären und die Mitwirkungsleistungen sowie die Zeitachse und die Meilensteine abzustimmen.

Für 47 Prozent der Befragten wurde das bisher wichtigste Ziel, die Stärkung der Gläubigerrechte, noch nicht erfüllt. Wird sich dies in naher Zukunft ändern?
Aktuell können wir es seitens Roland Berger nicht beurteilen, ob und wann sich hieran etwas ändern wird.

Nichtsdestotrotz, ist die Mehrheit der Umfrageteilnehmer mit ESUG zufrieden. Wird dies auch so bleiben oder sehen Sie bereits Bedarf der Anpassung?
Die Mehrheit ist zufrieden. Aktuell sehen wir nicht, dass sich dies dramatisch schnell ändern wird.

Der Beitrag „Es sollten nicht zusätzlich Engpässe geschaffen werden“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.