Mit dem Kauf des jungen Fintech-Start-ups Lendico, ist ING Diba in die Fintechszene vorgedrungen. Eine Entwicklung, die zu einem Trend der Fintechübernahmen führen könnte. Im Gespräch mit Fintech-Experte Tobias Baumgarten von „about Fintech“ werden Trends der Szene und spannende Entwicklungen deutlich.

Die Fintechszene: spannend und im rasanten Wandel. Bild: ©monito (www.monito.com)/flickr
Die Fintechszene: spannend und im rasanten Wandel. Bild: ©monito (www.monito.com)/flickr

ING Diba schnappt sich ein Finanz-Startup

Erst kürzlich kaufte die ING Diba das Berliner Finanz-Startup Lendico, ein Spezialist für Marketplace Lending, bei dem Kredite über Marktplätze vergeben werden. „Der Kauf war eine günstige Gelegenheit für die ING, sich fertige Technologien zu kaufen“, bestätigt Tobias Baumgarten, Fintech-Experte und Gründer des Onlinemagazins About Fintech. Bisher habe das junge Unternehmen Lendico wenig Nutzer und sei somit nicht lebensfähig. Dennoch kann die ING von der technischen Basis profitieren. „Die Kooperation mit Scalable Capital hat gezeigt, welche Vertriebsmacht die ING auf eine Fintech-Plattform bringen kann“, so Baumgarten.

Lendico selbst spezialisiert sich auf Darlehen für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU), die viel komplexer und individueller sind, als Kredite für große Unternehmen. Diese lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad ohne persönlichen Kundenkontakt kalkulieren und massenweise übers Internet vertreiben. „80% der Darlehen lassen sich über eine solche standardisierte Plattform kostengünstig abwickeln. Das kennt die ING ja schon aus dem Online-Geschäft mit privaten Baufinanzierungen. Alles, was Non-Standard ist, bleibt dann eben außen vor und geht an die klassischen Banken im (teureren) Individualgeschäft“, erklärt Baumgarten.

Fintech-Trends 2018: Was kommt, was geht?

Die Entwicklung innerhalb der Fintech-Branche ist spannend. Mehr und mehr Unternehmen springen auf den Digitalisierungszug auf und entwickeln smarte und neuartige Produkte, die das sonst so klassische Banking und Finanzwesen einfacher und übersichtlicher gestalten. Seien es Apps, die alle Konten miteinander verbinden oder Zahloptionen großer, internationaler Unternehmen – die Branche ist im Umbruch und an Entwicklungen kaum zu überblicken. Vor allem werde es weitere Entwicklungen im Bereich der Kryptowährung geben, vermutet Tobias Baumgarten. „Nach dem großen Hype rund um den Jahreswechsel könnte der Markt in diesem Jahr reifen. Futures auf den Bitcoin waren ein Anfang, Konkretisierung zur Regulatorik durch die Aufseher ein weiterer Schritt. Wenn sich die Kurse ein Stück weit beruhigen und die Bedienbarkeit vereinfacht wird, könnte es hier interessante Entwicklungen geben.“, so Baumgarten.

Zögern bei den traditionellen Banken

Entgegen der rasanten Entwicklung innerhalb der jungen Start-ups, zägern viele traditionelle Banken noch davor, sich der Digitalisierung hinzugeben und dem Vorbild der Start-ups zu folgen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass neun von zehn Start-ups scheitern und dies dem Ruf einer etablierten Bank schaden könnte. „Andererseits,“ so Baumgart, „sind sich viele Vorstandsetagen gefühlt der Bedeutung der Digitalisierung nicht vollends bewusst.“ Damit bezieht er sich auf den Fakt, dass viele Bänker die Wichtigkeit der Digitalisierung sehen, sie jedoch auf eine App reduzieren und selten das Große Ganze, die wichtige Transformation dahinter, nicht erkennen.

“Die Spreu wird sich vom Weizen trennen“

Die Fintech-Branche ist lebendig und vollzieht einen rasanten Wandel. return hat Tobias Baumgarten nach seinem Blick in die Zukunft gefragt und eine klare Antwort bekommen: „Die Spreu wird sich vom Weizen trennen. Einige wenige Fintechs starten groß durch und werden selbst zu etablierten Playern auch im Endkundengeschäft. Das ist das eine Prozent. Ein paar mehr werden zu erfolgreichen White-Label-Lieferanten für Banken und neue Wettbewerber. Den Großteil der Fintechs dürfte es aber vom Markt fegen, weil einerseits die Markteintrittsbarrieren immer größer werden und andererseits die großen Internetplattformen die PSD2 nutzen werden, um in den Finanzsektor zu drängen. Die Plattformen sind der Big Fish, der die kleinen Fintech-Piranhas auffressen wird.“

Der Beitrag Einstieg in die Fintechszene: ING Diba kauft Lendico erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.