Lutz Goebel. Bild: © Anne Kreuz Fotografie
Lutz Goebel. Bild: © Anne Kreuz Fotografie

Gemeinsam mit dem Verband „Die Familienunternehmer“ hat KPMG erst kürzlich eine Internet Plattform für Unternehmensverkäufe gestartet. Im Mittelpunkt stehen dabei große Familienunternehmen. Alle Details und mehr Informationen zu „Matchmaker“ hat Lutz Goebel im Interview.

Zusammen mit KPMG haben Die Familienunternehmer erst kürzlich die Internet-Plattform „Matchmaker“ gegründet. Was steckt dahinter?
LUTZ GOEBEL: Das Thema Nachfolge ist eines der größten Herausforderungen für Familienunternehmen. Gleichzeitig gibt es immer mehr erfolgreiche Angestellte, die etwas Eigenes suchen. Mit Matchmaker wollen wir Familienunternehmer und KPMG Verkäufer und Käufer vertraulich zusammenbringen. Verkäufern wird eine Auswahl an passenden interessierten Käufern vorgeschlagen, ohne die eigenen Verkaufsabsichten offen zu legen. Käufer und Investoren erhalten die Möglichkeit, mit passenden Unternehmen in Kontakt zu treten. Matchmaker setzt dabei auf Vertrauen, Vertraulichkeit und Seriosität. Das sind die obersten Ziele der Plattform. Ohne ausdrückliche Zustimmung werden keine Daten weitergegeben. Der Verkäufer genießt dabei einen besonderen Schutz. Er wird stets als Erster über ein mögliches Match, d.h. einer Übereinstimmung zwischen ihm und einem interessierten Käufer, informiert.

Gerade große Familienunternehmen sollen mit dieser Plattform angesprochen werden. Woran liegt es, dass gerade diese Unternehmen Unterstützung bei der Findung von Käufern, Investoren oder Nachfolgekandidaten benötigen?
Die Plattform dient nicht nur großen Familienunternehmen, sondern auch Unternehmen im mittleren Umsatzsegment (ab ca. 3 Mio. Euro Umsatz im Jahr). Der besondere Reiz der Plattform liegt in der Anonymität. Auch ohne bereits einen umfassenden M&A-Prozess zu starten, ist es möglich, sich als Verkäufer einen Überblick über verschiedene Käufergruppen zu verschaffen.

Woran liegt es, dass gerade der Einstieg bei einem Mittelständler enorm schwierig ist?
Die Nachfolge ist eine große Herausforderung. Die junge Generation ist immer besser ausgebildet, sie kann woanders Karriere machen, oder selbst gründen. Hinzu kommt, dass sich manche Nachfolger, bei einem dreistelligen Millionen-Umsatz auch die Unternehmensführung gar nicht zutrauen.

Momentan dürfen Start-ups noch nicht mitbieten. Wieso?
Im ersten Schritt ist die Plattform auf jedwede Art des Anteilsverkaufs bzw. Suche nach neuen Investoren im Mittelstand ausgerichtet. Doch KPMG diskutiert aktuell intern und plant eine Erweiterung für Start-ups.

Wer macht momentan am meisten Gebrauch von „Matchmaker“?
Die Plattform erfährt seit dem Start einen regelrechten Ansturm von Verkäufern und Käufern. Dabei sind auf der Verkäuferseite Unternehmen aller Branchen vertreten. Die Käuferseite wird vor allem von Family Equity Gesellschaften, Mittelstands-/Industrieholdings, Family Offices, strategischen Investoren, Finanzinvestoren und MBI-Kandidaten genutzt. Aber auch deren Berater (z.B. Rechts- und Steuerberater, Personalberater und klassische M&A-Berater) haben Zugang zur Plattform, sofern sie ein konkretes Mandat (d.h. einen konkreten Verkäufer oder Käufer) vorweisen.

Lutz Goebel ist geschäftsführender Gesellschafter bei Henkelhausen GmbH & Co. KG und Mitglied des Präsidiums bei Die Familienunternehmer. Er hat unter anderem das Projekt „Matchmaker“ angestoßen.

Interview: Anne Steinbach

Der Beitrag „Die Nachfolge ist eine große Herausforderung.“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.