Volkmar Halbe. Bild: Privat

Geraten Unternehmen ins Taumeln, so hat das laut dem Sanierungsexperte Volkmar Halbe meistens einen Grund: Zu lange wurden die Augen davor verschlossen, dass das Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Wie der zertifizierte ESUG-Berater solchen Unternehmen unter die Arme greift und welche Eigenschaften ein erfolgreicher Krisenmanager benötigt, erklärt der Gründer von „360° WIRKSAMKEIT – Gesellschaft für erfolgreiches Management“ im Interview mit Return.

Herr Halbe, als Interim Manager und zertifizierter ESUG-Berater greifen Sie Unternehmen vor allem dann unter die Arme, wenn sie bereits in der Krise stecken. Wie finden Sie heraus, ob und wie ein angeschlagener Betrieb wieder auf Kurs gebracht werden kann?
VOLKMAR HALBE: Fokussiert gibt es immer nur zwei Ausgangssituationen: Entweder liegt bereits ein Sanierungskonzept vor – und das gilt es dann wirksam umzusetzen. Oder ein solches ist rasch zu erstellen, um die Kernfrage zu beantworten – und um damit alles Tun auch zu rechtfertigen.

Was sind aus Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Ursachen dafür, dass Unternehmen ins Taumeln geraten?
Zuallermeist wurden die Augen vor der Realität zu lange verschlossen. Und damit wurde nicht erkannt, dass das Geschäftsmodell einfach nicht mehr funktioniert – und dringendster Veränderungen bedarf.

Welche Eigenschaften braucht ein erfolgreicher Krisenmanager?
Er sollte schnell, resultatsorientriert, umsetzungssicher und strategisch nachhaltig agieren.

Sie sind seit vielen Jahrzehnten in der Möbelindustrie zu Hause. Welche Sanierungsansätze haben sich für diese angeschlagene Branche als besonders erfolgreich erwiesen und inwieweit ist das auch auf andere kriselnde Branchen anwendbar?
Ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau ist die Pflicht – funktionierende Prozessketten entlang der gesamten Supply-Chain sowie das immer mehr differenzierende Argument und die Produktwelten, die den Verbraucher begeistern, sind die Kür.

Scheitern geht in Deutschland häufig immer noch mit Stigmatisierung einher. Was braucht es Ihrer Meinung nach, um endlich eine Kultur der zweiten Chance etablieren?
Beharrlichkeit!

Volkmar Halbe ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der 360° WIRKSAMKEIT – Gesellschaft für erfolgreiches Management mbH (Münster). Der zertifizierte ESUG-Berater übernimmt Herausforderungen als CEO, CRO oder CFO und begleitet Unternehmen in Aufsichtsgremien. Dabei baut er auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in großen mittelständischen Unternehmensgruppen. Seit 2016 ist er auch Mitglied des Vorstandes des BV ESUG. Beim Deutschen Gläubigerkongress am 22. und 23. Juni in Köln wird Volkmar Halbe zum Thema „Herausforderung Möbelindustrie – Wirksame Sanierungsansätze für eine angeschlagene Branche“ referieren.

Der Beitrag „Die Augen zu lange verschlossen“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.