Deut­sche Auto­kon­zer­ne beim Gewinn Welt­spit­ze

BMW hat die höchste Gewinnmarge unter den deutschen Autoherstellern. Bild: © BMW Group

Deutsche Autobauer haben nicht nur die höchsten Margen – ihre Gewinne steigen auch stärker als bei der Konkurrenz.

Aufgrund des Dieselskandals herrscht Krisenstimmung in Teilen der deutschen Autobranche. Dabei gibt es für viele Hersteller Grund zur Freude. In punkto Profitabilität konnten die hiesigen Autobauer nämlich ihre weltweite Spitzenposition verteidigen. Mit operativen Margen von 11,3 Prozent, 9,7 Prozent und 7,7 Prozent belegen BMW, Daimler und Volkswagen im ersten Halbjahr die Positionen eins, drei und fünf im Ranking der weltweit margenstärksten Autokonzerne. Im reinen Automobilgeschäft liegt Daimler mit einer Marge von 10,2 Prozent vor BMW (9,4 Prozent). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Und auch bei der absoluten Höhe des erwirtschafteten Gewinns schaffen es alle drei Unternehmen unter die weltweiten Top 5: Volkswagen erzielte mit 8,9 Milliarden Euro den höchsten Gewinn und konnte damit Toyota knapp hinter sich lassen. Daimler und BMW folgen mit 7,8 bzw. 5,7 Milliarden Euro auf den Plätzen drei und fünf. Beeindruckend sind die Ergebnisse vor allem, weil der weltweite Pkw-Absatz aller untersuchten Konzerne im ersten Halbjahr nur noch leicht stieg – um 1,5 Prozent. Im zweiten Quartal lag das Plus sogar nur noch bei 0,6 Prozent. Im Jahr 2016 hatte das Wachstum noch bei 2,5 Prozent gelegen – die weltweite Autokonjunktur verliert also an Kraft. Die deutschen Autobauer konnten ihren Absatz im ersten Halbjahr vor allem dank ihres starken Wachstums in China überdurchschnittlich stark – um 3,3 Prozent – steigern.

Gegenwind auf dem Heimatmarkt

„Auf dem Heimatmarkt bekommen die deutschen Autokonzerne derzeit kräftig Gegenwind – weltweit läuft es bei ihnen im operativen Geschäft aber weiter gut bis hervorragend“, stellt Peter Fuß, Partner bei EY, fest. „Die Gewinnsituation hat sich unterm Strich im Vergleich zum Vorjahr nochmal deutlich verbessert, die Margen sind bei allen drei Konzernen inzwischen wieder überdurchschnittlich hoch.“ Allerdings verliere der weltweite Pkw-Markt spürbar an Dynamik, so Fuß: „Das Wachstum schwächt sich zusehends ab, weil der US-Markt schwächelt, China einen Gang zurückschaltet und auch in Europa die Aufholjagd nach der Krise weitgehend vorbei ist“, stellt Fuß fest.

An den Kapitalmärkten wurde die insgesamt gute operative Entwicklung der deutschen Autokonzerne zuletzt kaum positiv zur Kenntnis genommen – seit Jahresbeginn legte der Börsenwert von BMW nur um ein Prozent zu, bei Daimler ging die Marktkapitalisierung sogar um fünf Prozent zurück. Einzig Volkswagen konnte den Börsenwert seit Jahresbeginn nennenswert erhöhen – um sechs Prozent. Im Ranking der wertvollsten Autokonzerne der Welt belegten die drei deutschen Autokonzerne damit die Plätze zwei, drei und vier – Toyota bleibt mit einer Marktkapitalisierung von 168 Milliarden US-Dollar mit großem Abstand die Nummer eins und ist mehr wert als Daimler und Volkswagen zusammen.

Diesel-Modelle werden zur Herausforderung

Fuß sieht für die deutschen Autokonzerne derzeit vor allem zwei Herausforderungen: „Der Diesel hat ein massives Image-Problem, die Absatzzahlen sinken deutlich. Damit geraten die Hersteller unter zusätzlichen Druck, die von der EU gesetzten Emissionsziele ab 2020 zu erreichen – andernfalls drohen hohe Strafzahlungen. Jetzt gilt es, die rückläufigen Verkäufe von Diesel-Modellen durch ein Plus bei Benzin- und Elektro- bzw. Hybridmodellen aufzufangen.“

Fuß rechnet damit, dass die Marktanteilsverluste des Diesel-Antriebs nun für zusätzlichen Schub beim Umstieg auf Plug-in-Hybride und reine Elektroantriebe sorgen werden – und hier stehen die deutschen Autokonzerne vor einer noch größeren Herausforderung: „Die deutsche Autoindustrie muss noch den Nachweis erbringen, dass sie die Führungsrolle, die sie sich im Zeitalter des Verbrennungsmotors erarbeitet hat, mittelfristig verteidigen kann, wenn Elektromobilität und datenbasierte Mobilitätsgeschäftsmodelle die Branche prägen werden. Denn es ist längst keine Frage mehr, ob, sondern wann der Verbrennungsmotor am Ende ist.“ Angesichtes des digitalen Wandels, neuer Technologien und Geschäftsmodelle könnte sich die starke Gewinnentwicklung also als Segen erweisen und dabei helfen, die Elektromobilität vorzubereiten.

Der Beitrag Deutsche Autokonzerne beim Gewinn Weltspitze erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.