Andreas Henke kam vom Autokonzern der Edelmarke Porsche zur Luxus-Hi-Fi-Manufaktur Burmester. Wie nach dem Tod des Firmengründers auf so hohem Niveau die Balance zu halten ist zwischen Vermächtnis und neuen Wegen, beschreibt der Manager exklusiv im „return“-Interview.

Andreas Henke, Geschäftsführer von Burmester. Bild: ©Uwe Steinert / www.uwesteinert.de
Andreas Henke, Geschäftsführer von Burmester. Bild: ©Uwe Steinert / www.uwesteinert.de

Herr Henke, Ihr weitaus wichtigster Vertriebskanal ist der Fachhandel. Ist das noch zeitgemäß?
ANDREAS HENKE: Wir prüfen natürlich, ob wir uns selber im Weg stehen, wenn wir ausschließlich über den Fachhandel gehen. High-End-Audiosysteme sind aber ein Produkt, das eine gewisse Einweisung und Vertrautheit benötigt. Man braucht jemanden, der erklären kann, wie es funktioniert, und der gut berät. Ich würde jedem empfehlen, nicht blind zu kaufen, sondern das Produkt vor dem Kauf anzuhören. Wir werden deshalb immer mit lokalen Partnern zusammenarbeiten, egal, welche Wege wir im Vertrieb auftun. Auch das Online-Thema würde ich aber keinesfalls ausschließen, etwa um Kunden in Geschäfte zu bringen, die dorthin nicht von alleine gegangen wären. Wenn beide Seiten profitieren, warum nicht?

Ist eine Kooperation mit anderen Luxusmarken denkbar, etwa im Autobereich?
Wir sind mit verschiedenen Partnern, die sich im selben Segment bewegen, in Gesprächen. Ob das gerade Autohersteller sein müssen, ist eine andere Frage. Ich weiß aus meiner Zeit bei Porsche: Wenn Menschen dorthin kamen, wollten sie vor allem Autos fahren, und nichts anderes. Wir müssen darauf achten, in welchen Bereichen wir die Muße und auch die Willigkeit vorfinden, vielleicht 200.000 Euro für eine Stereoanlage auszugeben. Das ist der Herrgottswinkel der Kaufkraft. Unsere Überlegungen gehen deshalb in Richtung einer Zusammenarbeit mit Spitzenhotels, in denen wir die Top-End-Suiten ausstatten. Deren Mieter hätten die Möglichkeit, in aller Ruhe und in einer Wohlfühlsituation – meist sogar zusammen mit dem anderen Entscheider im Haushalt – den Burmester-Klang kennenzulernen.

Manche Hersteller von Luxusgütern passen ihr Design an den lokalen Geschmack in wichtigen Auslandsmärkten an, etwa mit Blick auf China. Wäre das für Sie eine Option?
Wer das tut, hat wohl kaum das langfristige Interesse der Marke im Blick. Ich finde es nicht akzeptabel, dort ein Markenimage aufzubauen, bei dem man sich in Europa die Haare raufen würde – nur um schnell noch ein paar Produkte mehr loszuwerden. Eine richtig gute, globale Marke passt sich nicht an. Wenn man, so wie wir, am allerobersten Ende der Preisbereitschaft unterwegs ist, dann möchten die Kunden auch in Übersee wissen, dass sie so behandelt werden wie jeder andere auf der Welt. Zu uns kommen die Leute nicht, um den Korken auf der Welle zu fangen, sie suchen eher den Fels in der Brandung. Das Produkt muss liefern, und das jeden Tag, über viele Jahre hinweg.

Wie würden Sie das typische Burmester-Design beschreiben?
Eine Burmester-Anlage kommt mit sehr wenigen, aber ausgewählten Materialien aus. Bei den Kühlrippen und den Körpern ist das vor allem gefrästes Aluminium. Immer ein Erkennungsmerkmal ist ein sehr teurer Werkstoff: Chrom. Charakteristisch für uns ist eine gewisse Großzügigkeit. Mit dem, was technisch sinnvoll ist, gehen wir nahezu verschwenderisch um. Vielleicht würden hier und da ein paar Gramm weniger reichen, aber wir achten nicht auf den Cent. Die unverwechselbare Linie haben wir schon seit 40 Jahren, sie entsprach dem ersten Ansatz von Dieter Burmester, der in einem Regal mit schwarzen Hi-Fi-Geräte auffallen und nicht um jeden Preis sparen wollte.

Unsere Grundausrichtung möchten wir auf jeden Fall beibehalten. Das schließt aber nicht aus, dass wir möglicherweise die gleiche Technik zukünftig auch mal anders verpacken, um einem sich wandelnden Anspruch an Gestaltung in den eigenen Räumen näherzukommen. Es gibt heute eine Zielgruppe, die vor einer Anlage nicht wie vor einem Altar niederknien möchte, sondern einen integrativen Anspruch hat. Das ist derzeit das große Thema im Design und in der Innenarchitektur. Dieser Frage müssen wir uns stellen.

Kunden erwarten von Burmester Handarbeit, werden sie diesem Ideal gerecht?
Wir haben eine Wertschöpfungstiefe von über 80 Prozent, das meiste wird also selbstgemacht. Die Zulieferer, die wir haben, stammen zu über 98 Prozent aus Deutschland. Und wir achten sehr streng auf die Qualität. Es ist auch schon vorgenommen, dass wir die Produktion einzelner Teile zurück ins eigene Haus geholt haben, weil wir bei Zulieferern unsere Qualitätsvorgaben nicht erfüllt sahen.

Firmengründer Dieter Burmester spielte leidenschaftlich Gitarre und Bass. Sind Sie auch Musiker?
Zum Abschied bei Porsche bekam ich einen Bass geschenkt, die Burmester-Mitarbeiter haben dazu einen sehr guten Lehrer spendiert – die Ausreden für mich werden also immer dünner, und der Ehrgeiz ist da. Beim 40-jährigen Jubiläum der Firma habe ich auch gesungen – und den Umstand ausgenutzt, dass keiner weglaufen konnte. Früher habe ich lange Klavier gespielt, dieses Instrument ist aber seit Jahren in den Hintergrund getreten.

Das Gespräch mit dem Chef der Burmester Audiosysteme GmbH führte Gregor Hallmann in Berlin. Weitere Passagen aus dem exklusiven Interview lesen Sie ausführlich in der aktuellen Ausgabe return 01/18 unseres Magazins.

Der Beitrag „Der Herrgottswinkel der Kaufkraft“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.