Ban­ken­bran­che: Digi­ta­li­sie­rung mit wenig Strahl­kraft

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Banken investieren zwar kräftig in den digitalen Umbau, doch Standards für innovatives Banking setzen sie nicht.

In Zeiten, in denen italienische Banken vor der Pleite gerettet werden und auch deutsche Geldhäuser sich neu ausrichten müssen, gehen gleich mehrere Studien der Frage auf den Grund, wie es um die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit der Institute bestellt ist. Mit wenig erfreulichen Resultaten: So gelangt die aktuelle CFO-Studie der Strategie- und Managementberatung zeb zu dem Ergebnis, dass die Finanzbereiche der Banken nicht zukunftsorientiert ausgerichtet sind.

Die meisten Führungskräfte seien sich zwar der neuen Anforderungen durch die aktuellen Megatrends Regulatorik, Marktumfeld, Kostendruck und Digitalisierung bewusst. Gleichzeitig werde aber deutlich, dass mit der derzeitigen Aufstellung die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen nicht gemeistert werden können. „Die unklar definierte und nicht konkretisierte Governance ist in vielen Fällen der Grund, warum der CFO-Bereich noch nicht effizient und effektiv arbeitet“, erläutert Gerhard Pachschwöll, Senior Manager bei zeb und Experte für Betriebsmodelle im Steuerungsbereich.

Kein Digital Leader im Bankensektor

Doch nicht nur auf der CFO-Ebene hapert es, auch in Sachen Digitalisierung allgemein gibt es kaum Glanzlichter. Einen „Digital Leader“, der alle Facetten eines digitalen Geschäftsmodells umfassend abdeckt, suche man in zentralen Regionen des europäischen Bankensektors aktuell vergebens, bilanziert eine zeb-Studie zum Stand der Digitalisierung in der Branche. „Vielmehr bewegen sich die Institute durchgehend in niedrigeren Digitalisierungsstadien, die von der Pilotierung erster Digitalisierungsideen bis zur Umsetzung erster, konkreter Projekte reichen“, schreiben die Studien-Autoren.

Großbanken und Spezialinstitute liegen bei der digitalen Transformation ihrer Geschäftsmodelle mit knappem Vorsprung an der Spitze. Regionalbanken haben einen etwas niedrigeren Digitalisierungsstand, gleichwohl besetzen auch hier einige Institutsgruppen im europäischen Vergleich Spitzenpositionen. Regional betrachtet liegen Banken in Central Eastern Europe (CEE) bei der digitalen Transformation leicht vorne. In South West Europe (SW-EU) ist das Angebot an digitalen Finanzdienstleistungen deutlich geringer ausgeprägt.

„Die Branche darf keine Zeit verlieren“

Insgesamt sei zwar festzustellen, dass europäische Banken erheblich in den digitalen Umbau ihrer Geschäftsmodelle investieren, doch „andere Branchen setzen nach wie vor die digitalen Standards für innovatives Banking“, berichtet Dr. André Ehlerding, Leiter der Studie und Director bei zeb. Inzwischen nutze die Hälfte aller Bankkunden Angebote von Non-Banks wie beispielsweise FinTechs. „Aus unserer Sicht darf die Branche keine Zeit mehr verlieren. Sie muss die Digitalisierung der eigenen Geschäftsmodelle wesentlich konsequenter, grundsätzlicher und vor allem mutiger vorantreiben“, so Ehlerding weiter.

Die Studienergebnisse zeigen, dass europäische Finanzinstitute die Digitalisierung ihrer bestehenden Geschäftsmodelle hauptsächlich am direkten Bankenwettbewerb ausrichten, durchgreifend innovative Ansätze in der Branche dagegen selten zu beobachten sind. Eine grundsätzliche strategische Neupositionierung von Geschäftsmodellen findet noch nicht statt. Sichtbar ist stattdessen eine Vielzahl von Einzelinitiativen. Deren Ableitung aus einer umfassenden Digitalisierungs- und Transformationsstrategie erfolgt nach Angaben der Institute jedoch nur fragmentarisch. Banken sehen ihre digitale Transformation eher als evolutionären Prozess, die notwendige Innovationsgeschwindigkeit fehlt jedoch.

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