Fabrice Roghé, Senior Partner bei BCG und einer der Studienautoren

Eine Studie hat neben Agilität fünf Erfolgsfaktoren identifiziert, die Unternehmen langfristig Wettbewerbsvorteile sicher.

Agile Unternehmen erzielen bis zu fünfmal häufiger höhere Margen und stärkeres Wachstum als ihre Wettbewerber. Über 40 Prozent aller agilen Unternehmen zeichnen sich durch überdurchschnittliche Ergebnisse aus, nur 24 Prozent schneiden schlechter als der Durchschnitt ab. Eher starre Organisationen gehören zu den Schlusslichtern: Mehr als die Hälfte dieser Unter­nehmen entwickeln sich unterdurchschnittlich, lediglich 18 Prozent von ihnen sind wirtschaftlich erfolgreicher als die Konkurrenz. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Die Zukunft der Organisation“ der Boston Consulting Group (BCG), für die 1.100 Führungskräfte und Mitarbeiter aus zehn Branchen in über 40 Ländern befragt wurden.

„Der rasante Wandel unserer Zeit stellt traditionell organisierte Unternehmen vor große Herausforderungen“, erklärt Fabrice Roghé, Senior Partner bei BCG und einer der Studienautoren. „Sie spüren einen deutlichen Veränderungsdruck, sind aber häufig zu unflexibel, um den permanenten Wandel erfolgreich zu managen.“ Insgesamt haben rund 66 Prozent der Firmen in den vergangenen Jahren die Struktur ihrer Organisation grundlegend verändert, um erfolgreicher zu werden.

Agile Prinzipien verankern

„Nichtstrukturelle Faktoren wie agile Arbeitsweisen gewinnen stark an Bedeu­tung“, erläutert Roghé. „Sie bestimmen die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit einer Organisation.“ Obwohl 73 Prozent der Unternehmen der Agilität große Bedeutung beimessen, bezeichnen sich lediglich 54 Prozent als tatsächlich agil. Die Einführung agiler Arbeitsweisen, zum Beispiel durch Scrum-Teams, Sprints und sogenannte Standup-Meetings, sei oft nicht ausreichend, erklärt Roghé. „Die Verankerung agiler Prinzipien in Organisation und Personalprozessen, etwa in Führungs­modellen, bei der Ressourcenallokation oder im Performance-Management, macht den größeren Unterschied aus.“

Die Studie zeigt, dass neben der Einführung einer agilen Arbeitsweise fünf weitere Organisationsfaktoren den wirtschaftlichen Erfolg steigern. Bei Berücksichtigung aller Faktoren können Unternehmen ihre Erfolgswahrscheinlichkeit auf über 50 Prozent erhöhen. Zu ihnen zählen:

Effektive, wertschaffende Zentrale: 36 Prozent der Unternehmen mit einer effektiven Zentrale sind überdurch­schnittlich erfolgreich. Wenn dieses Kriterium nicht erfüllt ist, liegt die ent­sprechende Erfolgsquote bei lediglich 18 Prozent.

Klare Zuordnung der Ergebnisverantwortung: Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) muss der Unternehmensstrategie folgen und den Verantwortlichen genug Spielraum geben. 36 Prozent der Unter­nehmen mit klarer GuV-Verankerung sind überdurchschnittlich erfolgreich, bei unklarer Ergebniszuordnung sind es lediglich 20 Prozent.

Nähe zu lokalen Märkten und Operations sowie flache Hierarchien: Unternehmen mit deutlicher Nähe zu lokalen, kundennahen Ebenen sind erfolg­reicher. Firmen mit effektiver Unterstützung durch die lokalen Märkte sind zu 39 Prozent überdurchschnittlich erfolgreich. Fehlt diese Unterstützung, schnei­den nur 26 Prozent der Unternehmen wirtschaftlich besser ab als der Wett­bewerb.

Effektiver Einsatz von Shared Services: Funktionen wie IT, Finanzen, Personal und Einkauf bündeln ihre Aktivitäten häufig in Shared-Services-Centern. Betriebe mit effektiven Shared Services sind zu 41 Prozent überdurchschnittlich erfolgreich – im Vergleich zu 26 Prozent bei ineffektivem Einsatz.

Fokus auf Mitarbeiter und Zusammenarbeit: Kooperative Firmen erhöhen ihre Erfolgswahrscheinlichkeit auf 36 Prozent, während Unternehmen, die weniger auf Zusammenarbeit setzen, lediglich zu 23 Prozent überdurchschnittlich erfolgreich sind. Zudem führt eine kooperative Unternehmenskultur zu mehr Engagement und Mitarbeiterzufriedenheit.

Bild: BCG

Der Beitrag Agile Unternehmen sind wirtschaftlich erfolgreicher erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.