Cenk Eryilmaz
Cenk Eryilmaz

Cenk Eryilmaz ist seit dem 1. September 2018 Geschäftsführer bei Nya Nordiska

Nya Nordiska hat einen hervorragenden Ruf in der Branche. Seit 1964 entwirft und verlegt die Unternehmensgruppe hochwertige Dekorations- und Möbelbezugsstoffe. Doch die Geschäfte wurden im Laufe der Jahre immer schwieriger. Anfang 2018 drohte die Zahlungsunfähigkeit. Das Amtsgericht Uelzen leitete ein Sanierungsverfahren in Eigenregie ein. Als Berater wurden die Experten der Sozietät Stellmach & Broeckers hinzugezogen.

Seit dem 1. September ist nun Cenk Eryilmaz Geschäftsführer bei Nya Nordiska. In einem Interview mit dem Magazin Eurodecor erklärte er, dass das Unternehmen langsam wieder zu alter Stärke zurückfinde und auf einem guten Wege sei. Basis der positiven Entwicklung war eine umfangreiche Analyse und ein schnelles Eingreifen der Sanierer. Zunächst wurde das Liquiditätsproblem behoben. So regelte sich auch der Warenfluss wieder. Damit verbunden war die Wiederherstellung der Lieferfähigkeit. Inzwischen ist Cenk Eryilmaz hauptsächlich damit beschäftigt Nya Nordiska modern aufzustellen.

Hier können Sie das Originalinterview downloaden und lesen

 

Heinrich Fritz Stellmach

Heinrich Fritz Stellmach

Im Insolvenzverfahren Seniorenpark Hammersen GmbH & Co. KG, Werther Straße 78, 46395 Bocholt – Amtsgericht Münster, Az.: 87 IN 61/18 – hat die Geschäftsleitung des Unternehmens Herrn Rechtsanwalt Heinrich Fritz Stellmach aus der Sozietät Stellmach & Bröckers mit der Sanierungsberatung der Gesellschaft beauftragt. Wir haben ein Interview mit Herrn Stellmach geführt.

Herr Stellmach, im Insolvenzverfahren der Firma Seniorenpark Hammersen GmbH & Co. KG wurden Sie durch die Geschäftsleitung des Unternehmens mit der Sanierungsberatung mandatiert. Haben Sie bereits erste Erkenntnisse zum Zustand der Gesellschaft gewinnen können?

Heinrich Fritz Stellmach: Die Gesellschaft beschäftigt sich mit der Herstellung eines exklusiven Seniorenwohnheims, gelegen auf dem ehemaligen Gelände der Spinnerei und Weberei Hammersen, welches unter Denkmalschutz steht. Architektonisch ist das Gebäude eine Rarität, das unbedingt erhaltungs- und restaurationswürdig ist. Die Stadt Bocholt sollte sich ein solch einzigartiges Kulturgut ihrer textilen Vergangenheit bewahren.

Worin sehen Sie die Ursachen für die Einleitung des Insolvenzverfahrens?

Heinrich Fritz Stellmach: Das Projekt des Seniorenwohnheims ist aktuell halbfertig. Evident besteht eine Finanzierungslücke für das Bauvorhaben, die mittels eines Sanierungsprozesses unter Insolvenzschutz bereinigt werden soll. Das eingeleitete Insolvenzverfahren verfolgt ausschließlich den Zweck einer Sanierung und ordnungsgemäßen Fertigstellung des Projektes.

Lässt sich die Größenordnung der Finanzierungslücke bereits heute quantifizieren?

Heinrich Fritz Stellmach: Nicht abschließend, aber nach ersten Hochrechnungen wird frisches Kapital von rund 15.0 Mio. Euro benötigt, um das Seniorenwohnheim geordnet und schlüsselfertig erstellen zu können. Erste Verhandlungen über die Bereitstellung eines solchen Kredites sind bereits in die Wege geleitet. Mit einem Ergebnis für die Bereitstellung frischen Kapitals rechne ich Ende Oktober.

Bedeutet ein solcher Kredit, dass daraus alle Gläubiger vollständig befriedigt werden können?

Heinrich Fritz Stellmach: Mitnichten, die Bereinigung einer solchen Finanzierungslücke im Rahmen eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens bedeutet immer Kapitalschnitt. D.h., ohne Forderungsausfälle bzw. einvernehmliche Forderungsverzichte der beteiligten Gläubiger kann der angestrebte Sanierungsprozess für das Projekt unmöglich erfolgreich umgesetzt werden.

Wie sieht dabei Ihre Rolle als Sanierungsberater aus?

Heinrich Fritz Stellmach: Sanierung unter Insolvenzschutz erfordert in diesem speziellen Fall in erster Linie Moderation und Vermittlung zwischen den beteiligten Kreditinstituten, den Lieferanten und Handwerkern sowie den insgesamt 121 Investoren. Teilweise haben die Investoren für die Wohneinheiten des Objektes Kaufpreise bis zu 400 TEUR bezahlt. Alle Absprachen und Sanierungsmaßnahmen müssen in enger Abstimmung mit dem gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter erfolgen. Mit juristischen Finessen ist eine erfolgreiche Sanierung dieses Mandates nicht umsetzbar, gefragt ist ein Mix aus Verlässlichkeit in die Fertigstellung des Objektes und Verhandlungsgeschick.

Wie beurteilen Sie die Aussichten der Sanierung? Rechnen Sie mit einer zeitnahen Lösung und Fortsetzung der Bauarbeiten für das Seniorenwohnheim?

Heinrich Fritz Stellmach: Genau das ist der Grund, weshalb sich die beteiligten Gläubiger und die Geschäftsleitung des Unternehmens für die Sanierungsexpertise der Sozietät Stellmach & Bröckers entschieden haben. Das Sanierungsteam unseres Büros wird in enger Zusammenarbeit mit dem gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter alle Anstrengungen unternehmen, das Projekt erfolgreich durchzuführen. Es ist geplant, bereits in Kürze damit zu beginnen, das Objekt winterfest zu machen. Ich rechne damit, dass in Abstimmung mit allen Verfahrensbeteiligten das Projekt Seniorenwohnheim Hammersen bis Ende des Jahres 2019 schlüsselfertig an die Investoren übergeben werden kann.

Die Bocholter Medien haben über das Insolvenzeröffnungsverfahren bei G&S Planwerk berichtet. Sowohl das Bocholter-Borkener Volksblatt als auch die Internetplattform Made in Bocholt veröffentlichten Stellungnahmen des Insolvenzverwalters Heinrich Stellmach. Nachfolgend die Originalberichte beziehungsweise Links.

 

Quelle: Bocholter-Borkener Volksblatt, Ausgabe vom 29.08.2019, Lokalseite 2

Quelle: Bocholter-Borkener Volksblatt, Ausgabe vom 29.08.2019, Lokalseite 2

 

 

 

Das Magazin „Wirtschaft aktuell“ hat in seiner Ausgabe 2/2018 Heinrich Stellmach zu den Änderungen im Insovenzrecht interviewt. Hier das Interview im Wortlaut und in der Original-Druckversion

Vom Pathologen zum Therapeuten

Einen stärkeren Einfluss der Gläubiger auf die Auswahl des Insolvenzverwalters und die Vereinfachung des Zuganges zur Eigenverwaltung soll seit 2011 die Sanierung angeschlagener Unternehmen vereinfachen. Wir sprachen mit Heinrich Stellmach, Mitbegründer und Partner der Sozietät Stellmach & Bröckers mit Standorten in Bocholt, Münster, Osnabrück und Krefeld, der seit 35 Jahren Unternehmenskrisen aller Art managt.

Herr Stellmach, Sie haben sich als Insolvenzverwalter einen Namen gemacht. Als was verstehen Sie sich heute?
Das Berufsbild des klassischen Insolvenzverwalters hat sich in den vergangenen fünf, sechs Jahren grundlegend verändert. Das alte Berufsbild des Insolvenzverwalters, der im Auftrag des Gerichtes quasi als Vollstreckungsbeamter alle vorhandenen Werte eines Unternehmens bestmöglich liquidiert und die Erlöse an die Gläubiger verteilt, ist ein Auslaufmodell. Moderne Insolvenzverwaltung heute bedeutet betriebswirtschaftliche Kompetenz, Sanierung und Restrukturierung in enger Abstimmung und Kommunikation mit den Hauptgläubigern des Unternehmens. Die Regularien des neuen Insolvenzrechtes bieten hervorragende Möglichkeiten, mit höchster Geschwindigkeit Unternehmen in der Krise zu restrukturieren und neu auszurichten.

Also bildlich gesprochen ein Wandel vom Pathologen zum Diagnostiker und Therapeuten?
So ähnlich kann man das sagen. Der Insolvenzverwalter alter Prägung war ein Abwickler, ein Vollstrecker, der primär mit juristischem Sachverstand den Ablauf eines Insolvenzverfahrens bestimmte. Im Gegensatz dazu ist heute für die Abwicklung eines Insolvenzverfahrens in erster Linie betriebswirtschaftliche Expertise gefordert, um Schwachstellen des Unternehmens zu analysieren und ein schlüssiges Sanierungskonzept zu erstellen. Heute ist die Zielsetzung eines Insolvenzverfahrens in erster Linie darauf ausgerichtet, mittels eines detaillierten Sanierungskonzeptes den betriebswirtschaftlichen Gleichklang eines Unternehmens wiederherzustellen.

Woran hakt es denn bei den meisten Unternehmen, die in Schieflage geraten?
Meistens sind es Veränderungen des Marktes. Oftmals haben sie die Digitalisierung total verpasst oder Probleme mit ihrem Produkt. Sehr häufig sind es aber auch interne Ursachen. Die fangen in der Spitze an. Manchmal erweist sich die Geschäftsführung für die Leitung, für die Motivation und die Führung eines Unternehmens sowohl nach innen als auch nach außen als ungeeignet. Heutzutage ist in einem modernen Insolvenzverfahren die Erstellung einer Schwachstellenanalyse des Unternehmens von zentraler Bedeutung. Nur aus der Offenlegung finanzwirtschaftlicher oder betriebswirtschaftlicher Schwachstellen können die zutreffenden Schlussfolgerungen für eine nachhaltige Restrukturierung des Unternehmens getroffen werden. Dabei werden oftmals auch Schwächen im Management oder innerhalb der Führungsriege eines Unternehmens offengelegt. Ein erfolgreicher Turnaround kann in einem Unternehmen nur mit einer loyalen und voll motivierten Belegschaft gelingen, die bereit ist, mit vereinten Kräften die definierten Sanierungsziele umzusetzen.

Ist in einem solchen Fall nicht vor allem ein rechtzeitiges Eingreifen wichtig?
Wir haben oft beobachtet, dass Unternehmen oder Geschäftsführer den rechtzeitigen Zeitpunkt für die Einleitung eines Sanierungsprozesses verpassen. Sobald eine Ertrags- oder Liquiditätskrise eines Unternehmens sichtbar wird, sollte schnellstmöglich eine qualifizierte Sanierungsberatung eingeholt werden. Oftmals ist nur ein externer Berater in der Lage, nüchtern und ungeschminkt die reale Situation eines Unternehmens zu beurteilen. Ist eine echte Unternehmenskrise erkennbar, ist schnelles und konsequentes Handeln der Geschäftsleitung unverzichtbar. Wird die Einleitung eines notwendigen Sanierungsprozesses zu lange hinausgezögert, werden erfahrungsgemäß nach und nach nahezu sämtliche Geschäftsfelder des Unternehmens beschädigt mit der Konsequenz, dass sich die Sanierungschancen für das operative Geschäft deutlich verschlechtern. Insofern muss bei Erkennen einer Unternehmenskrise die Geschäftsleitung unter Inanspruchnahme qualifizierter Beratung einen Sanierungsprozess einleiten.

Ist das der Grund, warum Sie in Ihrer Sozietät neben Anwälten auch Wirtschaftsprüfer, Bankfachwirte, Steuerberater und Sanierungsexperten beschäftigen?
Genau. Eine juristische Qualifikation alleine ist heute zu wenig, um der Aufgabe einer Sanierung und Restrukturierung eines Unternehmens gerecht zu werden. Der Insolvenzverwalter alter Prägung konnte sich auf das Fachwissen seiner juristischen Ausbildung zurückziehen. Der Insolvenzverwalter von heute dagegen ist als Sanierungsexperte zum überwiegenden Teil unternehmensberatend tätig. Neben juristischen Grundkenntnissen erfordert die moderne Insolvenzverwaltung eine betriebswirtschaftliche Expertise, die die gesamte Bandbreite der geschäftlichen Abläufe eines Unternehmens abdeckt. Dazu gehört neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen und kaufmännischem Einfühlungsvermögen insbesondere die Befähigung, die Umsetzbarkeit eines Sanierungsprozesses in Abstimmung mit den Gläubigern eines Verfahrens beurteilen zu können. Aus diesem Grunde setzt die Sozietät Stellmach & Bröckers für den Bereich Sanierung und Restrukturierung neben juristischer Beratung im Schwerpunkt betriebswirtschaftliche Beratung auch auf die Prüfungskompetenz erfahrener Wirtschaftsprüfer.

Wie wichtig ist Branchenwissen?
Branchenwissen und praktische Erfahrung sind immer gut. Aber oftmals sind die Ursachen einer Krise nicht branchenspezifisch oder -typisch. Sie haben fast immer die gleichen Strukturen: interne Probleme, Personalprobleme, Qualitätsprobleme oder Überkapazitäten. Oftmals liegen die Schwächen im Management. Häufig ist auch das Geschäftsmodell zu einseitig, es ist nicht diversifiziert genug. Manchmal hapert es auch am Service. Heute ist der Kunde extrem fokussiert auf perfekten und schnellen Service. Jedes Unternehmen, das in diesem Punkt Schwachstellen aufweist, wird im Markt zurückgedrängt. Der Endkunde will einfach Transparenz und perfekten Service, und beides bekommt er oft nicht.

Der Gesetzgeber hat 2011 das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen – kurz ESUG – erlassen. Das kennt in der Öffentlichkeit kaum jemand, oder?
Ja das stimmt, aber genau das hat diesen Wandel ausgelöst. Mit Einführung des ESUG ist im Grunde genommen das alte Vollstreckungsrecht der Insolvenzordnung abgelöst worden durch den Leitgedanken einer Sanierung und Restrukturierung notleidender Unternehmen. Und die Rolle der Gläubiger wurde gestärkt. Denn die suchen sich ihren Insolvenzverwalter vielfach selbst aus.

Führt das auch bei Ihnen in der Branche zu mehr Wettbewerb und verschärfter Konkurrenz?
Ja, die Gläubiger entscheiden in größeren Verfahren darüber, wer dieses Verfahren führt, wer der Verwalter und der Sanierungsexperte ist. In solchen Fällen haben die Gerichte mehr oder weniger nur noch die Funktion einer Moderation und Überwachung. Wir betrachten das als großen Vorteil. Denn die Gläubiger – insbesondere die beteiligten Großgläubiger wie Banken und Kreditversicherungen – sind sehr gut in der Lage, genau zu differenzieren, welches Büro und welcher Sanierungsexperte für das jeweilige Unternehmen am besten geeignet ist.

Udo Jürgens hat mal gesungen: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“. Sie starten, so scheint es, in diesem Alter noch mal richtig durch. Warum?
Zunächst einmal gibt es für Insolvenzverwalter keine Altersgrenzen. So lange Sie sich gesundheitlich, also körperlich und mental fit fühlen, so lange können Sie diesen Beruf auch ausüben. Und wenn Sie einen umfassenden und breiten Erfahrungsfundus haben, wäre es einfach nur Vergeudung zu sagen, ich hör jetzt auf, lese nur noch die Frankfurter Allgemeine und beschäftige mich mit meinen Aktien. Also mache ich weiter.

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) hat in ihrer Ausgabe vom 25. Mai 2018 auf der 1. Seite des Lokalteils Bissendorf, Belm und Umgebung aufsführlich über die Ambivicare-Insolvenz berichtet.  Den ganzen Artikel gibt es hier als Download. All Bildreechte und das Copyright liegen bei der NOZ.

Das Unternehmen AmbiviCare Häusliche Pflege IEF GmbH ist spezialisiert auf die Pflege und Versorgung von Intensivpflegepatienten. Seit Anfang 2017 wird zudem neben der ambulanten Pflege eine Pflegeeinrichtung in Bissendorf-Schledehausen unterhalten. Erst im März 2018 wurde der von Eva Häke als Einzelunternehmen im Jahre 2010 gegründete Pflegedienst an einen neuen Investor übertragen.

Trotz der positiven Entwicklungen der letzten Wochen und Monate beauftragte das Unternehmen Rechtsanwalt Klaus Niemeyer aus Osnabrück einen Insolvenzantrag zu stellen.

Am 17.05.2018 ordnete das Amtsgericht Osnabrück die vorläufige Insolvenzverwaltung an und setzte Rechtsanwalt Heinrich Stellmach von der Sozietät Stellmach & Bröckers aus Osnabrück als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Zusammen mit Rechtsanwalt Frank Stanitzke ist der vorläufige Insolvenzverwalter zunächst bemüht das Unternehmen zu stabilisieren und sich einen Überblick zu verschaffen. Es sind rd. 150 Mitarbeiter betroffen. Ziel ist es zunächst das Unternehmen fortzuführen und die Versorgung der Pflegepatienten weiter sicherzustellen. In einem weiteren Schritt soll eine tragfähige Perspektive für die Sanierung und den Erhalt des Unternehmens entwickelt werden.

Häufig müssen sich Unternehmer und Gründer junger Unternehmen mit für sie komplett neuen Herausforderungen auseinandersetzen. Dafür bedarf es einer passenden Beratung, denn nur so können Erfolgschance verbessert werden. Leider sind eben dieses Expertenwissen und individuelle Beratungen kostenintensiv. Für genau solche Fälle bietet das Förderprogramm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zum Beispiel Beratungskostenzuschüsse, um Unternehmen hierbei finanziell zu unterstützen. Nähere Infos zum Förderprogramm, sowie potentielle Veränderungen in der nächsten Zeit erläutert Rainer Reddig, Leiter der Leitstelle für Gewerbeförderungsmittel des Bundes in Köln und Referent beim Turnaroundkongress 2018.

Rainer Reddig, Leiter der Leitstelle für Gewerbeförderungsmittel des Bundes in Köln. Bild: © Rainer Reddig
Rainer Reddig, Leiter der Leitstelle für Gewerbeförderungsmittel des Bundes in Köln. Bild: © Rainer Reddig

Ein „Unternehmen in Schwierigkeiten“ – was bedeutet das?
RAINER REDDIG: Zwei grundlegende Merkmale legen die Definition für ein „Unternehmen in Schwierigkeiten“ fest. Zum Einen muss das Eigenkapital um mehr als 5=% aufgebraucht sein, zum Anderen darf das Unternehmen keinen Gewinn machen.

Wieso befinden sich Unternehmen in Schwierigkeiten? Was sind die Gründe?
Überschuldung und die dadurch auftretenden Liquiditätsprobleme sind Gründe dafür, dass sich „Unternehmen in Schwierigkeiten“ befinden. Allerdings legen wir als Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gerade neue Fixpunkte im Zusammenhang mit diesem Thema fest.

Ihr Kongressthema befasst sich mit dem Wandel im Bundesförderungsprogramm „Unternehmen in Schwierigkeiten“. Wieso kommt es zu einem Wandel?
Der größte Wandel wird wohl der Übergang der Förderung von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zum BAFA sein beziehungsweise zu den Leitstellen als Vorprüfstelle. Dazu kommt, dass die Bedingungen für „Unternehmen in Schwierigkeiten“ immer wieder an die jeweiligen wirtschaftlichen Situationen angepasst werden.

Wagen wir den Blick in die Zukunft: Wird es zu gehäuften Fällen von Unternehmen in Schwierigkeiten kommen oder werden die Zahlen zurückgehen?
Rückblickend ist die Anzahl der Anträge für „Unternehmen in Schwierigkeiten“ von 2016 mit 1706 Anträgen zu 2017 mit 1361 Anträgen gesunken. Wir können aber davon ausgehen, dass sich die Antragszahlen im Jahre 2018 voraussichtlich steigern werden, da eben die Rahmenbedingungen für einen Antrag „Unternehmen in Schwierigkeiten“ immer wieder angepasst werden.

Rainer Reddig ist Leiter der Leitstelle für Gewerbeförderungsmittel des Bundes in Köln. Nach dem Jurastudium an der Universität zu Köln, ist Reddig seit 1996 Leiter der Leitstelle für Gewerbeförderung des Bundes. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Eschborn hält er viele Vorträge, Seminare und Veranstaltungen zum Thema Gewerbeförderung. Beim Turnaroundkongress 2018 wird Reddig einen Vortrag zum Thema „Wandel im Bundesförderprogramm ‚Unternehmen in Schwierigkeiten'“ halten.

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Dass Innovationen für den Erhalt eines Unternehmens ausschlaggebend sind, haben mittlerweile auch Familienunternehmen erkannt. Nur erfolgt die Umsetzung von innovativen Geschäftsmodellen eher unsystematisch.

Über Innovationen in Familienunternehmen. Bild: © DrAfter123 / Getty Images / iStock
Über Innovationen in Familienunternehmen. Bild: © DrAfter123 / Getty Images / iStock

Das Geschäftsmodell: Die Wertschöpfungsarchitektur eines Unternehmens

Gerade mit dem stets steigenden Erfolg von Start-up-Urgesteinen wie Facebook, Uber oder Amazon lässt sich das Thema „Geschäftsmodell“ noch einmal neu aufrollen. Grundsätzlich versteht man unter dem Geschäftsmodell die Wertschöpfungsarchitektur eines Unternehmens. In anderen Worten versteckt sich dahinter die Frage: Wie schafft ein Unternehmen Werte für seine Kunden und wie werden diese in Erlöse umgewandelt?

Bei Start-ups lässt sich das Geschäftsmodell schnell erkennen: Hier ist der Fokus auf dem, was sich die Kunden wünschen. Das heißt, das Produkt und die Umsetzung werden an die Nachfrage der Kunden angepasst. Bei traditionellen Unternehmen und Familienunternehmen sieht das anders aus. Und demnach ist die Frage nach den Geschäftsmodellinnovationen innerhalb von Familienunternehmen eine sehr interessante.

Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM Bonn) ist der Frage nachgegangen und hat überprüft inwiefern Familienunternehmen ihr Geschäftsmodell verändern. Dabei wurde analysiert, in welchen Bereichen die meisten Veränderungen stattfinden.

Veränderungen entstehen mit Zielgruppenerweiterung

Innerhalb der Studie des IfM Bonn bestätigten die befragten Familienunternehmen, dass es hauptsächlich zu Veränderungen des Geschäftsmodells kommt, wenn neue Zielgruppen angesprochen werden sollen. Dabei werden selten die Leistungen oder die Wertschöpfungsprozesse verändert. Auch das Ertragsmodell wird in den meisten Fällen so beibehalten, wie es ist.

Erfolg kommt mit der Veränderung im Wertschöpfungsprozess

In einem zweiten Schritt wurde für die Studie der Erfolg der Innovation in Familienunternehmen überprüft. Von Erfolg spricht man dann, wenn die Marktposition gestärkt wird und die finanziellen Ziele erreicht werden. Grundsätzlich ist laut dem IfM Bonn Erfolg nur vorhanden, wenn es zu Veränderungen des Wertschöpfungsprozesses kommt.

Das ist jedoch in den Familienunternehmen nicht der Fall. Erfolgreiche Unternehmen verkaufen Produkte und Leistungen an Geschäftskunden und verfolgen ein klar strukturiertes Innovationsmanagement, in dem es Anreize für Beschäftigte und Innovationsbudgets gibt, sowie Projektmanagement fokussiert realisiert wird.

Fazit: Ein erster Schritt in Richtung Innovation ist getan

Insgesamt zeigt die Studie des IfM Bonn, dass mittelständische Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben und an ihren Geschäftsmodellen arbeiten. Jedoch ist auch zu erkennen, dass sich viele Mittelständler schwer damit tun, ihre Geschäftsmodelle systematisch zu verbessern. Eine klare Vorstellung des eigenen Geschäftsmodells; ein Innovationsmanagement, das diesen Namen verdient, und das Wissen, dass erfolgreiche Innovationen eine Veränderung mehrerer Bereiche des Geschäftsmodells erfordern, mögen erste Schritte sein, um es Facebook und Airbnb gleichzutun.

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Kleine und mittlere Unternehmen tragen große Verantwortung in den Bereichen Gesellschaft, Ökologie und Personal. Sie prägen u. a. die lokale Gemeinschaft, unterstützen gemeinnützige Projekte und sind im Umweltschutz aktiv. Sie tragen also unternehmerische Verantwortung in Form von Corporate Social Responsibility (CSR).

Kleine und mittlere Unternehmen engagieren sich vielfältig in der Region – auch bei der Schonung von Ressourcen und beim Schutz der Umwelt. Bild: © Cagri Oner / iStock.com

Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Studie am Beispiel Schleswig-Holsteins. Die Untersuchung aus 2018 wurde vom Kieler Center for Philosophy, Politics and Economics (KCPPE) an der Christian-Albrechts-Universität durchgeführt. Finanziert wurde das Forschungsprojekt von der Staatskanzlei im Zuge der Landesentwicklungsstrategie „Schleswig-Holstein 2030.“

Die meisten Erwerbstätigen arbeiten in KMU

Die kleinen und mittleren Unternehmen haben weniger als zehn, 50 oder 250 Beschäftigte und sie erzielen weniger als zwei, zehn oder 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Dennoch sind 60,7 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland (rund 76 Prozent in Schleswig-Holstein) in kleineren und mittleren Unternehmen beschäftigt. Ihr gesellschaftliches Engagement wurde auf Landesebene bislang nicht. Die bisherige Forschung konzentrierte sich weitgehend auf große und multinationale Konzerne, die ihren Einsatz medienwirksamer vermarkten können. „Kleine und mittlere Unternehmen sind jedoch viel erfolgreicher bei der Implementierung und Umsetzung von CSR“, berichtet Projektleiter Dr. Alexander Lorch.

Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft bewusst

Seine Studie mache deutlich, dass sich kleine und mittlere Unternehmen ihrer Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft bewusst seien und ihre Rolle über die als regionaler Arbeitgeber hinausgehe: „Kleine und mittlere Unternehmen sind deutlich flexibler, näher an den Kunden und direkter in das lokale Gemeinwesen eingebettet. Sie kennen die Probleme und Wünsche der Menschen vor Ort und in der Region und können so gezielter darauf reagieren. Damit leisten sie einen nicht zu unterschätzenden Beitrag im Bereich der unternehmerischen Verantwortung“, so Lorch weiter. Und diese Verantwortung kommt laut Studie zu 75 Prozent den Kommunen und Gemeinden zugute.

Überraschend war für die Forscher der Uni Kiel, dass die Unternehmen dabei vielfach auch auf moderne Formen des Engagements zurückgreifen. Dazu zählen zum Beispiel Corporate Volunteering, also betriebliche Freiwilligenprogramme. Rund 60 Prozent der kleinen und mittleren Firmen wollen damit ihre Beschäftigten bei der Ausübung von Ehrenämtern unterstützen oder stellen kostenlose Dienstleistungen zur Verfügung. Eine weitere wertvolle Erkenntnis zeigte sich beim Thema Personalpolitik: Obwohl den Unternehmen vor Ort der Fachkräftemangel (80 Prozent) und die Abwanderung junger Menschen (44 Prozent) Sorgen bereiten, setzen sie ihre CSR-Aktivitäten eher zur Mitarbeitermotivation als zur Gewinnung neuer Fachkräfte ein. „Darin sehen wir großes Potenzial für die Unternehmen. Mit ihrem gesellschaftlichen Engagement könnten sie sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und engagierte junge Menschen in der Region halten“, sagt Projektmitarbeiter Martin Kunze.

Staat könnte mehr Anreize schaffen

Insgesamt 463 kleinere und mittlere Unternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein wurden 2017 telefonisch und anonym befragt. Dabei zeigte sich auch: Die Firmen setzten sich auch damit auseinander, welche Herausforderungen in Schleswig-Holstein zu meistern sind und wie die Politik das gesellschaftliche Engagement fördern kann. So erschweren den Unternehmen nach eigenen Aussagen vor allem fehlende zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen das gesellschaftliche Engagement. Dagegen können staatliche Förderungen, steuerliche Vorteile und der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen das gesellschaftliche Engagement stärken.

Die Empfehlung der Forscher an die Politik lautet daher: „Das gesellschaftliche Engagement kleinerer und mittlerer Unternehmen muss in der Landes- und Kommunalpolitik wahrgenommen werden und Eingang in die Nachhaltigkeitsstrategien finden, indem nicht nur Empfehlungen für große, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen herausgegeben werden. Zusätzlich können die Auslobung von Preisen für unternehmerisches Engagement oder die Berücksichtigung dieses Engagements in öffentlichen Vergaberichtlinien wichtige Anreize setzen“, empfiehlt Lorch und erinnert an den Grundsatz „Tue Gutes und rede darüber“. „Die Herstellung von Öffentlichkeit sorgt für Anerkennung und letztlich auch für unverzichtbare Werbung“, schließt Lorch.

Kernergebnisse im Bereich Gesellschaft

Das gesellschaftliche Engagement von kleinen und mittleren Unternehmen findet überwiegend vor Ort und der Region statt. 95 Prozent engagieren sich gesellschaftlich – 75 Prozent davon in der Kommune. Rund 70 Prozent spenden Geld, rund 60 Prozent setzen auf Corporate Volunteering.

Kernergebnisse im Bereich Personal

Die wichtige Bedeutung der Mitarbeiter spiegele sich auch in CSR-Aktivitäten. CSR werde dabei als Instrument zur Steigerung der Mitarbeitermotivation angesehen, nicht aber als Instrument der Mitarbeitergewinnung. Dies deutee auf ungenutztes Potenzial hin, das dem Fachkräftemangel und auch der Abwanderung junger Menschen aus der Region entgegenwirken könnte. 97 Prozent der befragten Firmen böten laut Uni Kiel ihren Mitarbeitern Leistungen über das gesetzlich Erforderliche hinaus an. Knapp über 80 Prozent der Firmen unterstützten Mitarbeiter bei sozialen Problemen. Mehr als 70 Prozent leisteten zusätzliche Beiträge zur Altersvorsorge, so die Studie weiter.

Kernergebnisse im Bereich Umwelt

Auch die Themen Ökologie und Umweltschutz haben für kleinen und mittleren Unternehmen hohe Relevanz. „Energieeffizienz und Energieeinsparung“ sowie „Umwelt- und Naturschutz“ werden von jeweils knapp 80 Prozent der befragten Unternehmen als wichtig und sehr wichtig eingeschätzt. Über 80 Prozent achten auf die Energieeffizienz von Gebäuden. Rund 75 Prozent versuchen, Abfälle und Emissionen zu reduzieren. Knapp über 33 Prozent greifen dabei auf branchenspezifische Umweltstandards zurück.

Kontakt:

Dr. Alexander Lorch, Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics, E-Mail: lorch@philsem.uni-kiel.de; Telefon: (0431/) 80-2829

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